Willkommen im Reiselogbuch

Von Wien nach Konstanza - 2400km mit dem Rad ans Schwarze Meer

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In diesem Logbuch möchte ich meine Reise mit dem "Drahtesel" von Wien ans Schwarze Meer dokumentieren.

Seit mehreren Jahren hat mich nun das Reisenfieber mit Fahrrad gepackt. Die Geschwindigkeit mit der man reist, ist genau richtig, um ein Land in seiner ganzen Vielfalt zu entdecken. Und nicht nur die Umgebung, es erlaubt mir auch tiefe Einblicke in mein eigenes Bewusstsein. Das Radeln beruhigt mich und lässt mich Ruhe finden.

Im Jahr 2015 erhielt ich die Diagnose Multiple Sklerose, nachdem ich schon ca. 3 Jahre gesundheitliche Probleme hatte. Es zeigte sich nun, was hinter diesem Nebel der Ungewissheit steckte. Seit diesem Zeitpunkt kann ich besser mit der Situation umgehen. Ich war und bin in äußerst guter Behandlung im Kepler Universitätsklinikum - Neuromed Campus in Linz.

Jedoch habe ich mich seit Anfang an nicht nur "blind" in die Hände der Allgemeinmedizin fallen lassen. Das ist meiner Meinung nach bei dieser Krankheit zu wenig. Ich sehe die Medikation als Unterstützung um noch genügend Zeit zu haben, einen Lebensstil zu finden, der mir gut tut und der mir im besten Fall irgendwann ermöglicht, die starken Medikamente zu reduzieren oder abzusetzen.

Auf diesem Wege bin ich auch zum Radfahren gekommen. Wie oben beschrieben hilft es mir meinen Geist zu beruhigen und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

In diesem Reiselog möchte ich die Erlebnisse und Erkenntnisse dieser Reise mit euch teilen.


Tag 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48 / 02.09.2019 - 11.09.2019

02.09. - Tag 39

Heute war ich schon gegen Mittag bei der Anlegestelle, an der die MS Nestroy ablegen sollte. Ich beobachtete eine Weile, wie alles nötige an Bord geschafft wurde. Um 14:00 sollte man aufs Schiff können. 

Ich beschloss noch Mittagessen zu gehen. Vor lauter Aufregung merkte ich den Hunger erst, als der Magen laut knurrte.
Um 14:00 machte ich mich dann mit dem Rad auf zum Schiff. Die Busse, die die Passagiere vom Flughafen brachten, waren auch schon da. Sie gingen jedoch nicht an Bord, sondern wurden zuerst auf kleinere Ausflugsboote gebracht, auf denen sie eine Tour durchs Delta machten. Ich brachte mein Fahrrad aufs Schiff und montierte alle Gepäckstücke ab. Diese wurden von der Crew direkt in die Kabine gebracht. Das Fahrrad durfte am Sonnendeck mitfahren.

An der Rezeption bekam ich die Info, dass der Check- In erst ab ca. 16 Uhr möglich war und ich noch Zeit hatte, die Gegend zu erkunden. Ich beschloss nun, ohne Gepäck und Fahrrad, ein bisschen im Hafen herumzulaufen. Das endete nach einigen Minuten damit, dass ich im Cafe saß und dem regen Treiben zusah, das sich vor mir in der Fußgängerzone abspielte. Währenddessen organisierte ich noch Blumen und Sekt für meinen Freund, da wir heute Jahrestag hatten. Das war keine einfache Aufgabe, da mein Freund ein Meister darin ist, nie länger als eine halbe Stunde an einem Ort zu sein. Zumindest heute konnte ich keinen Ort herausfinden an dem ich sie ihm schicken lassen könnte. Also half mir seine Schwester mit der Überraschung. Ich ließ alles zu ihr liefern und sie lud ihn am Abend zu sich ein.

Die zwei Stunden vergingen wie im Fluge und als die Ersten vom Ausflug zurückkamen, machte ich mich auf zum Check- In. 

Man bekam einen Zimmerschlüssel und eine Art Bankomatkarte, mit der man am Schiff bezahlte. Die Rechnung müsse man dann am Ende der Reise beim Checkout bezahlen. Ich entschied mich das Getränkepaket zu nehmen, da ich sehr viel am Schiff sein würde und ich vor hatte, meinen Kaffeeentzug der letzten Wochen wieder aufzuholen. 

Die Kabine war so sauber und schön, dass ich wirklich sprachlos war, nach all den Unterkünften der letzten Zeit. Ich verfrachtete alles Schmutzige sofort in den Kasten und machte es mir bequem. Das Bett würde am Abend von der Crew hergerichtet werden. Zur Zeit waren die Betten hinaufgeklappt und man hatte zwei Sofas und einen kleinen Tisch in der Mitte. 

Beim Abendessen war ich dann das zweite Mal überwältigt. Die Küche hier war ausgezeichnet und ich genoss jeden Bissen des mehrgängigen Menüs. Ich saß an einem Tisch mit 6 Plätzen. Wir stellten uns vor und versuchten ins Gespräch zu kommen. Heute noch etwas zurückhaltender und reserviert. Das lag aber auch daran, dass die meisten vom Flug und dem Ausflug recht müde waren. 

Nach dem Abendessen ging es auf das Sonnendeck, das mittlerweile in der Dämmerung lag. Wir waren auf dem Weg Richtung Sulina, zu Stromkilometer 0. Als wir dort ankamen, war es bereits dunkel und man konnte nur an den vielen Lichtern der Fußgängerzone erkennen, dass wir da waren. Ich stellte mich etwas abseits. Mir kamen gerade zum ersten Mal, seit ich in Tulcea angekomme war, die Tränen. Ich war traurig, mich von diesem wunderschönen Ort trennen zu müssen. Als das Schiff wendete, heulte ich förmlich. Die Reise neigt sich nun unweigerlich dem Ende zu. Gleichzeitig war da auch noch die Freude wieder Richtung zuhause zu fahren und alle lieben Menschen wiederzusehen, die ich in den letzten Wochen vermisst hatte.

03.09. - Tag 40

Heute verbrachten alle Passagiere einen Tag an Board, während wir die ersten Kilometer zurücklegten. 
Das Frühstücksbuffet ließ keine Wünsche offen und ich ahnte schon jetzt, das ich einige Kilos, die ich während der letzten 4 Wochen verloren hatte, wieder zulegen würde.

Um 10 Uhr gab es einen Vortrag über die Sehenswürdigkeiten entlang der Donau. Es wurden auch die Ausflüge vorgestellt, die im Ausflugspaket enthalten sind. Dieses habe ich jedoch nicht dazugebucht. Ich möchte mich die nächsten Tage vorrangig entspannen und die Landschaft entlang der Donau genießen.

Beim Mittagessen war bis jetzt alles super. Ich werde das in den nächsten Tagen nicht immer wieder dazuschreiben, aber jedes einzelne Essen, das ich an Bord gegessen habe, war ein einziges Meisterwerk.

Am Nachmittag schwänzte ich den Vortrag über Rumänien und setzte mich aufs Sonnendeck und trank Kaffee. Meine Verkühlung wurde leider noch immer schlechter und ich musste viel husten. Am Abend stieg ich dann auf Tee um.

Nach dem Abendessen ließ ich den ersten Abend mit Schlagermusik über mich ergehen. An diesem Abend trank ich noch einen Cocktail um es auszuhalten, beschloss aber es in den nächsten Tagen wieder sein zu lassen mit dem Alkohol. In Verbindung mit der Verkühlung war das wohl eine gute Entscheidung. Außerdem wehrt sich mein Körper sofort bei übermäßigem Alkoholkonsum. In Kombination mit meinen Medikamenten auch keine gute Idee. Etwas, das sich seit meiner MS Diagnose stark geändert hat. Ich muss sicherstellen, am Morgen nach dem Aufstehen wieder nüchtern zu sein, da ich meine Medikamente nicht betrunken nehmen sollte. Es gibt beim Alkohol seither keinen Kontrollverlust mehr. Ich bin froh, dass das mittlerweile alle Bekannten und Freunde ohne Wiederrede oder blöde Kommentare akzeptieren. Das macht es mir wieder leichter etwas entspannter an geselligen Abenden teilzunehmen, ohne dauernd mit Alkohol bedrängt zu werden. 

Als ich in die Kabine kam, war - wie gestern auch schon -  alles hergerichtet und ich brauchte nur noch ins Bett zu fallen. :)

04.09. - Tag 41

Heute wurden annähernd alle Passagiere in Giurgiu ausgeschifft um Bukarest zu besuchen. Ich blieb mit einigen anderen am Schiff, das bereits um 8:30 wieder ablegte und Richtung Turnu Magurele weiterfuhr.
Ich machte mir einen netten Tag an Bord, spielte etwas am Computer (Minecraft natürlich) und trank Kaffee und Fanta. :D

Das Mittagessen wurde in der Lounge serviert, da wir nur ca. 12 Personen waren.

In Turnu Magurele kamen dann wieder alle an Bord. Vor dem Abendessen gab es noch einen kleinen Vortrag über Bulgarien und das Eiserne Tor. Nach dem Essen fand dieser Tag seinen Ausklang in der Bar, wo ich einige interessante Gespräche führen durfte.

05.09. - Tag 42

Heute versuchte ich trotz starker Verkühlung einen kleinen Spaziergang in Vidin. Dabei versuchte ich leider erfolglos einen Geocache zu finden. Da ich nach einer Stunde spazieren schon total kaputt war, beschloss ich den Tag großteils in der Bar mit Tee und Kaffe zu verbringen. Ich nahm mir den Laptop und ein Rätselheft mit und entspannte mich mit schönem Blick auf die Donau. Um 22 Uhr verließen wir Vidin in Richtung Eisernes Tor. Ich freute mich morgen schon auf die Durchfahrt, da ich erwartete, dass die Passage am Wasserweg noch beeindruckender sein würde, als sie es schon am Fahrrad war.

06.09. - Tag 43

In der Nacht passierten wir die erste von 2 Schleusen vor dem Eisernen Tor. Am Morgen gleich nach dem Frühstück fuhren wir in die Schleuse Eisernes Tor 1 - dort beginnt die Gebirgsstrecke. Diese Schleuse ist gewaltig. Man wird hier insgesamt 36 Meter nach oben geschleust. Zuerst 13 Meter, dann fährt man von der einen Schleusekammer direkt in die nächste, wo es wieder 13 Meter nach oben geht. Ich war selten so überwältigt von einem von Menschenhand gebauten Bauwerk.

Bis Mittag verbrachten die meisten Passagiere ihre Zeit am Sonnendeck, das heute ihrem Name alle Ehre machte. Es war schon etwas kühler als in den letzten Tagen, aber die Sonne bereitete uns bis Mittag sehr angenehme Temperaturen.

Die Passage durch das Eiserne Tor in Worte zu fassen ist schwierig. Es ist eine dieser Gegenden, in denen man sehr ehrfürchtig vor Mutter Erde wird, und man fühlt, welche gewaltige Kraft die Natur besitzt, um diese Landschaft zu formen. 

Zu Mittag legten wir in Donji Milanovac an, zur Eingangsrevision in Serbien. Dort machte ich wieder einen kleinen Spaziergang um, trotz Verkühlung, mich etwas zu bewegen.

Den Nachmittag und Abend verbrachte ich noch großteils am Sonnendeck, um die schöne Landschaft auf mich wirken zu lassen. 

07.09. - Tag 44

Heute erreichten wir am Morgen Belgrad. Wir legten während des Frühstücks an der Savemündung an. Ich hatte am Vormittag 3 Stunden in Belgrad Zeit. Ich hatte mir einen Geocache ausgesucht, den ich finden wollte. 

Nachdem ich an der Rezeption meinen Kabinenschlüssel gegen die Landgangskarte getauscht hatte, machte ich mich auf ins Stadtzentrum von Belgrad. Von der Savemündung muss man eine sehr lange Stiege hinaufgehen um zum Zentrum zu gelangen. Ich musste mehrmals Pause machen, da meine Verkühlung immer noch hartnäckig schlimmer wurde. Oben angelangt, schlenderte ich kurz durch die Fußgängerzone entlang, bevor ich mir einen Kaffee gönnte. 

Danach schaute ich kurz in einen H&M, da heute am Abend eine Piratenparty am Schiff stattfand und man sich als Pirat verkleiden musste. Meine Garderobe war sehr klein und ich hatte keine Idee wie ich mich mit dem was ich hatte, als Pirat zu verkleiden. Also suchte ich mir eine Bluse die etwas "piratig" aussah und ein Tuch das ich mir in die Haare binden konnte.
Mein Weg führte mich noch am Parlament vorbei, bevor ich mich dem Geocache widmete, den ich nach ca. einer halben Stunde loggen konnte.

Nun waren meine Energiereserven wieder aufgebraucht und ich machte mich langsam auf den Weg zurück. 

Am Abend war dann auch die Crew als Piraten verkleidet und der Speisesaal war sehr piratig gedeckt (Alle Gläser und das Besteck lagen durcheinander am Tisch und man musste sich alles zusammensuchen).

Nach dem Abendessen und einem kurzen Besuch in der Bar fiel ich dann hundemüde ins Bett.

08.09. - Tag 45

Um ca. 7 Uhr mussten wir heute morgen zur Gesichtskontrolle, vor der Ausreise aus Serbien. Das ging ziemlich schnell, die Behörden hatten sich in der Bar eingerichtet und wir wurden Deckweise aufgerufen. Danach gings zum Frühstück, während das Schiff die letzten Kilometer nach Mohacs zurücklegte. Nach einem kleinen Spaziergang im Ort, machte ich es mir wieder auf dem Schiff gemütlich. Am Nachmittag fuhr das Schiff weiter nach Kalocsa, wo die Gäste die auf den Ausflügen waren wieder an Bord kamen.

Nach dem Abendessen veranstaltete die Crew eine Vorführung, bei der manche Crewmitglieder sangen und ander humorvolle Texte vortrugen. Es war sehr unterhaltend. :D

09.09. - Tag 46

Die Einfahrt frühmorgens in Budapest war sehr schön. Ich hatte zwar leider keinen Aufenthalt, da das Schiff gleich nach der Ausschiffung der Ausflugspassagiere weiterfuhr, trotzdem war es sehr beeindruckend vom Schiff aus, die vielen Sehenswürdigkeiten zu bewundern.

Um ca. 13:00 kamen die Leute vom Ausflug in Esztergom wieder an Bord. Am frühen Nachmittag hatten wir dann eine Infoveranstaltung zur Ausschiffung morgen in Wien. Ich beschloss bei der Ausschiffung zu warten und alle Passagiere beim Auschecken vorzulassen, die zum Flughafen mussten. Ich hatte keinen Stress.

Am Abend gab es dann das Gala-Dinner. Ich muss sagen, dass ich wahrscheinlich noch nie so exquisit gegessen hatte, wie heute Abend. Dieses Abendessen war ein würdiger Abschluss dieser Reise. Die Stimmung war sehr ausgelassen. Dennoch rückte für mich das Ende der Reise in greifbare Nähe und ich hatte gemischte Gefühle an diesem Abend.

10.09. - Tag 47

Um ca. 8:00 Uhr legten wir in Wien Nussdorf an, während wir noch frühstückten. Dann ging alles recht schnell. Die Koffer wurden von der Crew an Land gebracht und die Ausschiffung begann. 

Hier muss ich echt ein Lob an die Crew der MS Nestroy aussprechen. Wenn knapp 200 Gäste in einer dreiviertel Stunde auschecken, ohne dass man das Gefühl haben musste, irgendjemand würde hetzen und alles ruhig abläuft, müssen die ihren Job ausgesprochen gut machen. 

Als ich dann mein Fahrrad auch an Land hatte, checkte ich noch aus und bepackte mein Fahrrad. Während ich auf meinen Freund wartete, der mich abholte, fragten einige Leute ob sie ein Foto von mir und dem vollbeladenen Rad machen durften. Ich fühlte mich für 5 Minuten wie ein kleiner Rockstar. :D

Mein Freund kam einige Minuten später mit dem Taxi. Er hatte selbst gebackenen Kuchen mit, in Herzform :)
Das war ein überaus leckeres Jahrestagsgeschenk.

Wir machten uns gemeinsam auf zum Bahnhof, von wo aus wir zuerst Richtung Amstetten fuhren, wo ein Essen mit meinen Eltern anstand. Es war so schön alle wiederzusehen und so nahe bei mir zu wissen. Diese Tatsache wurde mir ja in der ersten Woche schmerzlich bewusst, dass ich niemanden meiner liebsten Menschen in der Nähe hatte. Umso dankbarer war ich nun wieder zuhause zu sein. 

Am Abend kam ich dann in Linz an. Ich packte nur noch ein paar Taschen aus. Ich würde die nächsten Wochen das ganze Zeug reinigen und verstauen, denn Morgen ging es schon wieder ab zur Arbeit. Der ganze Abend war geprägt von Freude, über mein kleine Wohnung, das Bad, mein Bett und alles was ich hier sonst noch an Annehmlichkeiten hatte.

11.09. - Tag 48

Mein erster Tag in der Arbeit:
Ich hatte absolut nicht damit gerechnet, mit Kuchen und Sekt begrüßt zu werden. Absolut baff stand ich vor den 2 Fanta, die mir für meinen ersten Arbeitstag geschenkt wurden, um die Umstellung nicht so hart zu machen. :D 

Während ich dann mein Fanta trank, machte ich mich -  um einiges zufriedener mit der Welt, als vor meiner Reise - an die Arbeit.


Tag 34, 35, 36, 37, 38 / 28.08.2019 - 01.09.2019

Einige Tage habe ich nun nichts von mir hören lassen. Ich habe die 4 Tage an meinem Ziel genossen. Sulina ist eine ganz kleines Örtchen mit wenig Autos, da ja nur per Fähre erreichbar. Die meisten Straßen gleichen eher einer Fußgängerzone. 

Der Strand ist in 10 Minuten mit dem Fahrrad erreichbar, auf einer schön gepflasterten Straße. Die Schirm- und Liegestuhlmiete beträgt hier 15 Leu pro Tag, umgerechnet sind das ca. 3,20€. Ich lag 2 Tage am Strand rum und hab Frappes (inkl. Zuckerschock) getrunken. Der Strand besteht aus feinem Sand und ist äußerst schön. Das Meer ist um einiges dunkler, als z.B. in Italien, aber vielleicht hat es ja daher den Namen. :)

Mein Fahrrad durfte am letzten Tag mit bis zum Meer. Ich bin mir etwas komisch vorgekommen, aber man baut schon eine Beziehung auf zu seinem Gefährt, wenn es einen so zuverlässig bis ans Ziel trägt. Deshalb durfte es dann zum Foto machen mit zum Meer.

An einem Tag habe ich auch die Nikolauskirche hier besucht, die sehr schön ist und direkt an der Donau (genauer am Sulina-Arm der Donau) steht. Weiters habe ich einiges an Zeit gebraucht, um hier Postkarten zu suchen. Leider wurde ich nicht fündig, da sie nur auf der Post 3 verschiedene hatten und überall nur Vögel drauf waren. Deshalb habe ich das Problem mit den Postkarten jetzt mit der App der Österreichischen Post gelöst und eigene Fotos genommen.

Am Schiff hatte ich doch etwas Probleme in der Nacht. Musste meistens 3-4 Mal aufstehen um auf die Toilette zu gehen. Meine Theorie ist, dass das vom Schaukeln des Schiffes kommt, dass man früher Aufwacht, wenn man zur Toilette muss. Am Tag war alles normal, deshalb habe ich eine Blasenentzündung oder ähnliches eigentlich ausgeschlossen. Bin schon gespannt wie das auf der MS Nestroy dann ist.

Außerdem hatte ich einmal bei einem frühmorgendlichen Toilettengang etwas Pech. Ich stand etwas hastig auf und mir war etwas schwindelig, als im selben Moment draußen ein Boot vorbeifuhr und das Schiff auch noch wankte. Ich konnte mich grade noch so am Türrahmen festhalten, um nicht umzufallen (was in Schiffskabinen sowieso kaum möglich ist :-D). Vor dem Frühstück ging ich dann eine kurze Runde am Festland, um sicherzugehen, dass das Schwindelgefühl weg ist und es nur ein blöder Zufall war. Da Schwindel und Gleichgewichtstörungen auch ein Zeichen für einen MS-Schub sein können, hat mein Kopf gleich wieder die wildesten Szenarien geschmiedet und dem kann ich nur mit solchen Tricks entgegenwirken. So stand ich um 7 Uhr Früh vor dem Schiff auf einem Bein und machte die Augen zu (ist einer der neurologischen Tests die auch in der MS-Ambulanz durchgeführt wird, um zu sehen ob es Verschlechterungen gibt). Und ich blieb ohne Probleme stehen. Zweites Bein auch noch, alles in Ordnung. Kopf 0 - Andrea 1 :-D Sieg olleee! :)

Danach war mir leichter und ich verbrachte einen schönen Tag am Strand. Die Temperaturen sind hier übrigens sehr angenehm. So zwischen 25-30 Grad und in der Sonne genau richtig um ohne Hitzekollaps am Strand zu liegen. Die ersten 2 Tage hier war mir, nach den "40 Grad in der Sonne"-Etappen, fast etwas kalt und ich brauchte mehrmals meine Fliesweste.

Am 31. fuhr ich um 7 Uhr morgens wieder mit der Fähre zurück nach Tulcea, um auch sicher rechtzeitig bei der MS Nestroy am 2. September zu sein. Ja ich weiß, 2 Tage vorher ist doch etwas viel Zeit, aber laut dem Einheimischenberichten sind die Fähren hier sehr ausgelastet und es werden oft Leute nicht mehr mitgenommen. Und mit dem Fahrrad muss ich diese eine Fähre benutzen, da mich die Wassertaxis nicht mitnehmen, da das Fahrrad zu groß für diese Boote ist. Es klappte aber am 31. schon, und so war ich nach ca. 4 Stunden Fahrt wieder in Tulcea. Ich hatte gerade noch das letzte freie Zimmer hier bekommen, für die nächsten 2 Nächte. Beim Abendessen klärte sich der Zimmernotstand in Tulcea auf, als neben mir plötzlich wahnsinnig laut Blues-Musik anfing zu spielen. Ich googelte gleich die Veranstaltungen hier und fand herraus, dass gerade ein Konzert des Dichis’n’Blues Festivals stattfand. Das erklärte auch den Zimmermangel. Nach dem Essen ging ich Richtung Bühne und fand noch einen Platz, von wo man die Bühne sehen konnte. Ich stand dann noch bis 9 Uhr und hörte zu, obwohl es schon finster war und ich dann noch 1 km zur Pension gehen musste. 

Gestern habe ich mir noch Kopfhörer gekauft, da ich die vergessen hatte und ich aufgrund des Akkumangels wahrscheinlich nicht Musik gehört hätte. Ich hörte bis 2 Uhr in der Nacht Musik und merkte wie mir das abgegangen war. 

Die Unterkunft, in der ich gerade bin ist auch nicht ganz optimal. Ich weiß nicht ob ihr schon mal Kakerlaken als Mitbewohner hattet, aber das ist ziemlich ungut. Die machen echt grauslige Geräusche, wenn sie über den Boden krabbeln und sind irre schnell. Sie wohnen hinter den Zierleisten. Ich habe alles wichtige auf Schränke gestellt und bin froh wenn ich morgen wieder auschecken kann.

Morgen geht es dann aufs Schiff nach Hause und ich freue mich darauf, jeden Tag meinem Zuhause etwas näher zu kommen.

Was ich auf alle Fälle mitnehmen werde von dieser Reise ist, dass ich dankbarer sein werde für das was ich habe. Auch wenn es nach österreichischen Standards nicht viel ist, so hat mir diese Reise gezeigt, das man sogar mit dem Fahrrad sehr schnell in Regionen kommt, in denen die Menschen noch viel weniger haben. Ich freue mich darauf ,in meinem kleinen Badezimmer zu duschen, ohne danach das Gefühl zu haben noch mal duschen zu wollen, auf die Toilette zu gehen und mich ungehindert hinsetzten zu können. Ich freue mich darauf in meiner kleinen Küche zu kochen und in meinem kleinen Schlafzimmer zu schlafen. All das ist im Vergleich zu dem, was ich gesehen habe, ganz groß, gut und wunderschön.


Tag 33 / 27.08.2019

Tulcea - Sulina

Heute war ausschlafen angesagt. Dann gemütlich frühstücken und auschecken. Das Gepäck und das Fahrrad ließ ich im Hotel, während ich einige Dinge wie z.B. Sonnencreme besorgte. Als ich den Kleinkram hatte, ging ich in ein Bekleidungsgeschäft und deckte mich mit ein paar Leiberl, einer langen Hose und einem Kleid ein. Die Kleidung, die ich unterwegs anhatte, ist leider so schmutzig, dass ich sie unter Leuten kaum noch Tragen kann. Inklusive Löcher in der Radhose, das hab ich den Bäumen zu verdanken, über die ich mein Rad hob. Außerdem brauche ich für die Rückfahrt am Schiff etwas bessere Kleidung. Kommt glaub ich nicht gut, wenn man zum Dinner am Abend mit kurzer Radhose aufkreuzt.

Als ich geschafft, wie immer nach dem Kleiderkaufen, aus dem Geschäft ging, fiel ich zufällig in ein Cafe, das direkt auf der anderen Straßenseite lag. Nach ein paar Minuten fragte ein älterer Herr ob er sich zu mir setzten kann. Wir sprachen eine Weile, aber sein Akzent im Englischen war sehr schwer zu verstehen. Er ist Techniker auf Hochseeschiffen und hatte schon viel von der Welt gesehen. Das was ich verstand, war sehr interessant. Wir sprachen auch darüber, dass ich heute nach Sulina wollte. Der Mann empfahl mir mindestens eine Stunde früher bei der Fähre zu sein, damit ich auch sicher einen Platz mit dem Fahrrad bekomme. Also musste ich gleich los, da es schon 12 Uhr war und ich noch das Gepäck und das Fahrrad holen musste. Die Fähre ging um 13:30 und ich bekam noch einen Platz.

Als wir losfuhren und ich noch etwas vom Fahrrad holen wollte, sah ich, dass ein zweiter Drahtesel, vollbepackt wie meiner, im Eingangsbereich stand. Ich nahm mir vor, beim Aussteigen aufzupassen, wem er gehört.

Die Fahrt dauerte über 3 Stunden, während der ich 2 Kaffee trank und immer wieder mal nach draußen ging, um die vorbeiziehende Landschaft zu genießen. Der Sulina-Arm wurde extra für die Schifffahrt reguliert. Das sieht man auch an den Ufern, die mit Steinen befestigt wurden. Während des Anlegens in Sulina, stand ich wieder draußen, da ich vorhatte zum Schluss auszusteigen, da mein Fahrrad mit Koffern zugeparkt war. Da sprach mich eine Frau in meinem Alter an und fragte, ob das mein Rad sei. Oh mein Gott, eine zweite Frau, alleine, Deutschland - Tulcea. Ich war also nicht alleine. :) Wir sprachen nur kurz miteinander, da wir uns nun darum kümmern mussten, unsere Räder wieder aus der Fähre zu bringen.

Mein Hotel für die nächsten 4 Nächte ist auf einem alten Kreuzfahrtschiff. So kann ich schon mal üben, damit ich dann beim Heimfahren auf der MS Nestroy nicht mehr Seekrank werde. :) Man fühlt sich auf Schiffen generell leicht betrunken, so mein Resümee nach den ersten Stunden an Bord. Am Abend ging ich dann noch Essen und schlug mir die halbe Nacht mit sinnlosen Youtubevideos um die Ohren, da ich ja Morgen schon wieder ausschlafen kann. :-D Das ist sehr seltsam gerade, der Wechsel von Zielorientiertheit, hin zu nichts tun. :) Das Ziel habe ich ja nun erreicht, aber mein Kopf hat es scheinbar noch nicht ganz mitbekommen, dass es jetzt geschafft ist.

Morgen werde ich an den Strand gehen und meine Rätselhefte mitnehmen (Rätseln ist ein bisschen ein Wochenendritual), vielleicht sickert es dann mal bis zu mir durch, dass ich da bin. :)


Tag 32 / 26.08.2019

Greci - Tulcea

Um ca. 7 Uhr war heute Tagwache, um mich für den letzten oder vorletzten Radtag fertig zu machen. Nachdem ich alles am Fahrrad hatte, gab's noch ein kleines Frühstück, dass heute leider nur aus ein paar Butterkeksen bestand. Um halb 9 ging es los mit dem ersten Ziel - Macin. Dort kaufte ich mir noch 2 Liter Wasser, zusätzlich zu meinen drei Litern, die ich schon mit hatte. Klingt viel, ist aber schnell weg, wenn es 40 Grad in der Sonne hat und man einige Bergwertungen ohne Schatten absolviert.

Ich nahm mir vor bis 14 Uhr in Isaacea zu sein. Streckenmäßig schon etwas mehr als die Hälfte der Etappe bis Tulcea, Höhenmeter technisch leider noch nicht die Hälfte. Als ich dann kurz nach 14 Uhr ankam, beschloss ich aufgrund der guten Zeit noch weiterzufahren. Das hieß, dass ich mich nun zum größten Anstieg heute aufmachte, der in ca. 10 km auf mich wartete. 

Nachdem ich diesen absolviert hatte, lagen noch 7 weitere Hügel vor mir (aber deutlich niedriger 40-60m). Dennoch musste ich nach der gigantisch tollen Abfahrt von ca. 150 Höhenmeter eine Pause machen um meine schmerzenden Knie etwas Ruhe zu gönnen. In dieser Pause buchte ich das Hotel in Tulcea für diese Nacht.

Kaum war ich in Tulcea angekommen, stand noch Essen auf dem Plan. Das kleine Frühstück heute Morgen zeigte sich nun in einem mächtigen Hungergefühl. Es gab Burger. :) 

Nachdem ich im Hotel um ca. 20:30 eingecheckt hatte, überkam mich die Erschöpfung und gleichzeitig stellte ich fest, dass ich wahnsinnig erleichtert war, es geschafft zu haben. Es war trotzdem noch etwas unwirklich, hier zu sein. Bei offenem Fenster und tosendem Stadtlärm schlief ich tief und fest ein.


Tag 31 / 25.08.2019

Harsova - Greci

Heute Morgen wurde ich zum Frühstück so nett begrüßt. Die Dame, die die Unterkunft leitet, war extra früher aufgestanden und servierte mir um kurz vor 8 Uhr mein Frühstück. Ich war vollkommen fasziniert von ihrer Freundlichkeit und ihrem Humor, obwohl sie erzählte, dass sie nur 2 Stunden geschlafen hatte, da gestern einige Gäste so lange im Restaurant blieben. 

Diese Frau war eine der lebensfrohsten und nettesten Menschen, die ich je kennengelernt hatte. Sie hatte am Vortag sofort jemanden geholt, der mir mit dem Gepäck half. Hätte mir noch ein Abendessen angeboten, usw. Das ist in dieser Preisklasse absolut nicht Standard hier. Ich gab ihr einiges an Trinkgeld, da das absolut die beste Unterkunft war, in der ich bis jetzt geschlafen hatte. Sauber, absolut freundlich, obwohl man nach so einem Radltag meist voll Dreck war, und meistens am Abend auch schon etwas stinkt. Kurz vor der Abfahrt brachte sie mir noch eine Flasche Wasser raus für die Fahrt und wünschte mir einen schönen Tag.

Ich fuhr nun den Ort wieder hinauf. Was am gestrigen Abend sehr steil gewirkt hat, war nun halb so schlimm. 

Der Tag führte durch eine schöne, aber anstrengende Hügellandschaft mit dem höchsten Anstieg am Abend mit 160 Höhenmeter. Insgesamt fuhr ich an diesem Tag 81 km und ca. 600 Höhenmeter. 2 km vor der heutigen Unterkunft fand ich ein Restaurant, in dem ich noch essen ging. Auf der Fahrt zum Campingplatz, wo ich einen kleinen Bungalow gebucht hatte, wurde es dann schon dämmrig. Körperlich war ich ziemlich erledigt. Mittlerweile machen einige Körperteile Probleme. Die Knie sind mit den Höhenmeter nicht ganz einverstanden, die Handgelenke und Arme allgemein sind noch von Tag 26 etwas mitgenommen (der "Fahrrad über Bäume hieven" -  Tag). Weiters habe ich zum ersten Mal etwas Probleme im Sitzbereich. Bin nämlich etwas wund, da ich aus Gründen des "Frauseins" seit einigen Tagen eine Einlage trage. Sollte hier eine erprobte Radfahrerin einen Trick haben, wie man dieses Problem löst, wäre ich für einen Rat äußerst dankbar. Naja, also der körperlicher Zustand ist nicht mehr ganz optimal. 

Ich hielt mir an diesem Abend immer wieder vor Augen, dass es noch max. eine große Etappe (91 km) oder 2 kleine Etappen bis nach Tulcea waren und ich spätestens in 2 Tagen dort wäre. 

An diesem Abend schlief ich äußerst schnell und tief ein.


Tag 30 / 24.08.2019

Seimenii Mici - Harsova

Heute Morgen frühstückte ich auf der Terrasse des Hotels, während ich der Sonne beim Aufgehen zusah. Das war ausgesprochen schön. Ich beobachtete wie 2 Männer auf einem Boot auf den See rausfuhren, um die Karpfen zu füttern, die hier zum Angeln eingesetzt wurden.

Um ca. 9 Uhr startete ich gleich mit dem ersten Anstieg, gleich hinter dem Hotel. Unaufgewärmt, das verkündeten mir meine Knie, gleich mit Schmerzen. Nach ca. 2 km ging es dann einigermaßen. Die Aussicht von oben entschädigte mich sofort und ich blieb ein paar Minuten stehen.

Den ganzen Tag ging es durch sehr kleine Dörfer und die Pferdefuhrwerke überholten mich, wenn es aufwärts ging. Nach Geschäften muss man sich hier erkundigen, oder die Menschen beobachten, aus welcher Richtung sie mit Einkäufen kommen. Die Geschäfte kennt man von außen kaum noch. Zumindest in kleinen Dörfern. Ein Geschäft, wo ich mir mein heiß geliebtes Fanta beschaffen konnte, fand ich dann auch. Nur auf eine Möglichkeit für einen Kaffee wartete ich heute vergeblich. Um ca. 15:30 Uhr kam ich an meinem heutigen Ziel an, nach 50km. Ich hatte mich für diesen Ort entschieden, da es die nächsten 80 km keine weiteren Übernachtungsmöglichkeiten gab. Morgen stehen dann 80 km und über 600 Höhenmeter an, aber das Zimmer in diesem Ort ist schon reserviert, und ich werde versuchen, morgen früher zu starten.

Da ich gestern Abend die Reiseunterlagen für die Schiffsreise bekommen habe (danke an meinen Bruder, der meine Post seit Wochen durschaut, ob dieser Brief dabei ist), hat sich eine kleine Planänderung ergeben. Die MS Nestroy liegt nämlich in Tulcea (Nur der Flug geht nach Konstanza). Deshalb werde ich mit dem Rad noch nach Tulcea fahren und dann für ein paar Tage mit einer Fähre nach Sulina. Und Ende August wieder zurück nach Tulcea zur Einschiffung. 

Am Abend habe ich noch auf der Terrasse von einem Mädchen was zu Essen bekommen. Sie ist aus Rumänien und sie macht hier mit ihrer Familie Urlaub. Die Konversation war sehr schwierig, da sie nur gebrochen Englisch sprach, aber wir quatschten über eine Stunde lang.

Die Reise auf dem Rad neigt sich nun schon dem Ende zu und ich kann gerade ganz schwer meine Gefühle diesbezüglich aufdröseln. Einerseits freue ich mich, es so gut wie geschafft zu haben. Andererseits bin ich auch traurig, dass die Entdeckungsreise zu Ende geht und ich nicht weiter neue Länder erkunden kann. Zu guter Letzt ist da noch die Erschöpfung, die ich mittlerweile eindeutig spüre. Würde die Reise noch länger dauern, bräuchte ich bald mehrere Tage Pause um mich zu erholen. Da ich aber in 2-3 Tagen in Tulcea bin, trifft sich das ganz gut, und ich werde versuchen, die Traurigkeit in Zaum zu halten und der Freude Platz zu machen.


Tag 29 / 23.08.2019

Ion Corvin -Seimenii Mici

Heute läutete der Wecker um halb 7. Ich zog mich schon im Zelt um, und begann dann mit dem Zeltabbau. Bis halb 8 war dann alles am Fahrrad verstaut. Ich versuchte in der Bar, in der ich gestern zu Abend gegessen hatte, noch einen Kaffee zu bekommen, . Leider kannte sich niemand mit der Maschine aus, und als das Wasser unter der Kaffeemaschine hervorkam, beschloss ich mich mit einem Frühstücks-Fanta zufrieden zu geben.

Um ca. 8 startete ich dann los, mit dem höchsten Anstieg, den ich heute zu absolvieren hatte. In Aliman trank ich wieder Fanta, da es auch hier keinen Kaffee gab. Dann folgte ein etwas flacheres Stück bis Rasova. Dort trank ich dann Pepsi Cola, da es wieder keinen Kaffee gab. Heute schien es echt kein guter Kaffeetag zu werden. Endlich, in Cochirleni fand ich dann endlich ein kleines Geschäft, in dem es Kaffee gab und zwar richtigen und keinen Pulverkaffee, der hier weit verbreitet ist.

Am Weg hierher sah ich einige Pferde- und Eselsfuhrwerke. Bei einem saß ein Mann mit Smartphone am Steuer. Zum Glück wusste scheinbar das Pferd selbst wo es lang geht. Die nächsten Minuten fragte ich mich, ob man Strafe zahlen musste, wenn man mit Handy am Fuhrwerk erwischt wird?

Um ca. 14 Uhr erreichte ich Cernavoda. Dort wollte ich noch meinen Wasservorrat aufstocken. Als ich nach einem Geschäft Ausschau hielt, fiel mir die Tourismusinformation auf, die es hier gab. Ich dachte mir, es könnte nicht schaden, wenn ich frage, ob sie auf den nächsten 100 km eventuell eine Unterkunft kennen, da ich seit Tagen recherchiere und im Internet nichts finden kann. Als ich das kleine Häuschen betrat, konnte ich zuerst niemanden sehen und sagte einmal laut "Hello". Kurz darauf schreckte eine Frau hinter einem der zwei Bildschirme hervor. Ich schien Sie beim Mittagsschlaf gestört zu haben. Sie erklärte mir dann aber sehr genau, dass ich nur eine Möglichkeit in ca. 50 km hätte. Sollte ich also weiter fahren, wären es etwa 100 km bis zur nächsten offiziellen Unterkunft.
Ich redete mit ihr noch darüber, dass ich, sollte ich es nicht bis zu einer dieser Unterkünfte schaffen, mein Zelt irgendwo zwischen den Dörfern aufstellen könnte. Sie meinte das ginge und verwies mich auf ein paar Plätze direkt neben der Donau.

Etwa 10 km fuhr ich dann noch zur heutigen Unterkunft und fand mich dort wieder einmal in einem fast leeren Hotel an einem wunderbaren See. Das ist so schade. Rumänien hätte aus touristischer Sicht sehr viel Potential, und ich wünsche den Unterkunfts- / Hotelbesitzern, dass sich hier im Tourismus viel mehr bewegt, damit ihre Hotelzimmer gefüllt sind und diese meist überaus netten Menschen gut von diesem Geschäft leben können.

Allgemein zur Strecke heute: Sehr gute Straßen, bis auf ein paar Ausnahmen (hab aber schon weitaus schlimmeres gesehen). Außerdem gab es sehr viele kleinere und größere Anstiege. Sollte jemand die Bikeline Karte "Donau-Radweg 5" verwenden, verdoppelt die Höhenmeter, wenn ihr sie aus dem Höhenprofil herausnehmt. Genaueres weiß ich erst, wenn ich nach der Tour die GPS Daten ausgewertet habe, aber es ist immer um einiges beschwerlicher als es in der Karte wirkt. Eventuell hat auch der relativ große Maßstab hier zu einer relativ großen Unschärfe bei den Höhenprofilen geführt (ums mal nett auszudrücken).

Ich sitze gerade noch am See in einer Wiese, und schaue zu, wie die Vögel nach Fischen tauchen. 


Tag 28 / 22.08.2019

Silistra - Ion Corvin

Heute verabschiedete ich mich in Silistra von Bulgarien mit einem letzten Kaffee. Ein Kellner, der gerade Pause machte und mich fragte, von wo ich kam und wo ich hin wollte, bezeichnete mich nach meiner Antwort als "crazy". Er fragte mich ob ich alleine unterwegs war, als ich bejahte, schüttelte er ungläubig den Kopf. :-D

Nach der Passkontrolle in Bulgarien, begrüßte mich Rumänien mit äußerst guten Straßen, viel Wind und wunderschöner Landschaft. Die Donau war hier wild, sie bahnte sich ihren Weg in vielen Armen durch die sanfte Hügellandschaft. Hier hat sie Sandbänke und der Wald reichte teilweise bis ans Ufer. Diese Aussicht genießen zu können, rechtfertigten die ersten Höhenmeter dieses Tages bei weitem.

Als ich am Lacul Bugeac vorbeikam, verlief die Straße direkt zwischen Donau und dem See auf einer sehr schmalen Landbrücke. Ich genoss die Abfahrt mit Blick auf die Donau und den See.

In Baneasa beschaffte ich mir endlich rumänische Leu und kaufte mir einen Kaffee und ein Fanta, mittlerweile ein konstantes Ritual.

Der Weg zu meinem heutigen Ziel war dann noch durch einen Anstieg erschwert. Dieser war aber recht schnell erledigt und eine lange Abfahrt lag vor mir. Als ich dann in der Pension fragte, ob noch ein Zimmer frei war, hieß es leider nein. Sollte jedoch noch ein Zimmer frei werden, würde ich es bekommen. Weiters wurde mir angeboten, mein Zelt hier aufstellen zu dürfen, sollte kein Zimmer mehr frei werden. 

Nun warte ich hier im Gastgarten darauf, dass vielleicht ein Zimmer frei wird. Gerade habe ich mir etwas zu essen bestellt. Es gab nur ein Gericht: Kotelett mit Pommes und Salat. Und während ich nun bis hier her geschrieben habe und gedacht hab, ich fresse gleich mein Tablet vor Hunger auf, kam das Essen. :-) Nun geht's mit vollem Magen weiter. :-)

Ich sitze hier schon 2 Stunden und beobachte den Chef und sein Gefolge. Ich studiere sozusagen das Verhalten rumänischer Männer. Die Conclusio daraus ist verwirrend, mehrfaches Auto umstellen ohne ersichtlichen Grund, dreimal T-Shirt wechseln, dann Fotos vom Auto machen, dazwischen am Cheftisch sitzen und rauchen und wichtige Telefonate führen. Ist das seine Arbeit? Für alles, was es zu tun gibt, wie essen kochen, trinken holen, ruft er einen seiner Angestellten (Sies). Scheinbar gehören diese paar Männer zu den herumstolzierenden Gockelhähnen, die sich hauptsächlich um Ihr Gefieder kümmern.

So, während ich diesen Artikel schreibe, war es nun soweit, mein Zelt aufzubauen, da es schon fast dunkel war und noch kein Zimmer frei geworden war. Als ich mit dem Aufbauen fertig war ging ich noch duschen und setzte mich danach wieder in die Bar, wo ich nun fertig schreibe. 

Morgen werden mich die Höhenmeter auf eine Probe stellen, die ich mit möglichst frühem Schlafen gehen entgegenwirken möchte. Also: Gute Nacht :-)


Tag 27 / 21.08.2019

Srebarna - Silistra

Nach den gestrigen Strapazen stand ich am Morgen mit einer Verspannung auf, die sich über meinen ganzen Schultergürtel bis in die Fingerspitzen zog. Weiters fühlten sich auch meine Beine recht müde an. Als ich dann nach einem Kaffee losfuhr, zeigte sich recht schnell, dass ich heute nicht wirklich weiterkam.

Alle paar Kilometer brauchte ich eine Pause und ich war müde, obwohl ich gut geschlafen hatte. So beschloss ich schon nach kurzer Zeit, nur die 20km nach Silistra zu fahren und mir dort ein Hotel zu suchen. 

Als ich Silistra erreicht hatte, fühlte ich mich, als hätte ich schon mindestens 60km in den Beinen. Ich vertrieb mir die Zeit bis zum Check- in um 14:00 Uhr in einem Café gegenüber des Hotels. Als es dann endlich soweit war und ich meine ganzen Packtaschen im Zimmer hatte, wollte ich mich für eine Stunde hinlegen. Es war kurz vor 15 Uhr. Als ich aufwachte war es 18 Uhr, den Wecker hatte ich scheinbar abgedrückt. 

Ich schleppte mich aus dem Bett, da ich mittlerweile einen riesigen Hunger hatte und suchte mir neben dem Hotel ein Restaurant. Nach dem Essen wusch ich noch meine Schmutzwäsche in der Badewanne und hängte sie zum Trocknen im Bad auf. 

Vor dem Schlafengehen wusch ich noch meine Haare und schlief dann so schnell ein, als hätte ich am Nachmittag keine 3 Stunden geschlafen.


Tag 26 / 20.08.2019

Tutrakan - Srebarna

Um 8 Uhr hatte ich heute schon mein ganzes Fahrrad beladen und ging dann auf die Terrasse, um zu frühstücken. Heute habe ich im Grunde 3 Bauernkrapfen in dreieckiger Form bekommen. Mit Feta Käse und Marillenmarmelade. Nach diesem deftigen Start in den Tag startete ich los. 

Bis Dunavets, ca. 15 km nach Tutrakan war alles in Ordnung und die Straßen waren sehr gut. Kurz nach Dunavets begann dann eine als sehr schlecht eingezeichnete Straße (eher Weg) aber eindeutig noch befahrbar. Als ich nach ca. 2 km an eine Abzweigung kam, auf der ich laut meiner Karte Richtung Dolno Ryahovo abbiegen sollte, befanden sich Radwegschilder die geradeaus weiterzeigten. Ich folgte den Radwegschildern, da ich den angezeigten Weg auch in meiner Karte hatte. Er führte direkt zum nächsten Ort Malak Preslavets. 

Der Weg wurde nun immer schmäler und war zugewachsen wie ein Tunnel. Wenn ich den Großteil geduckt fuhr, schaffte ich es noch fahren zu können. Dann nach ca. einem halben Kilometer lag ein riesiger Baum über dem Weg. Ich dachte, zurück durch das ganze Gestrüpp möchte ich nicht mehr fahren, also blieb nur der Weg über den Baum. Im Nachhinein war das eine blöde Entscheidung. Ich stieg also vom Rad und begutachtet das Gelände links und rechts des umgestürzten Baumes. Es war ein Hang rechts und eine steile Böschung links. Beides nicht mit dem Fahrrad zu bewältigen. Also über den Baum. Alle Packtaschen abmontiert und über den in ca. 1,5 m Höhe befindenden Stamm gehoben. Dann über einen dicken Ast der in selber Höhe war wie der Stamm. Ach ja, drunter durch gings nicht, da zu viele Äste und Lianen unter den Baum lagen.

Als ich alle Packtaschen drüben hatte, kam der schwerste Teil - das Fahrrad. Ich lehnte es quer an den Baumstamm und versuchte es dort am Boden stehend drüberzuheben. Dafür war ich eindeutig zu klein. Also stellte ich mich auf den Stamm. Nicht meine Lieblingsoption, aber was soll man machen. Am Stamm balancierend, hob ich das Rad am Lenker und dem Sitz hoch, drehte mich und stellte es auf der anderen Seite wieder runter. Ich benutzte es dann auch gleich als Stütze um nicht vom Stamm zu fallen. Dasselbe wiederholte ich beim Ast. Als ich drüben mit dem Rad ankam war ich von der Baumrinde an Händen und Beinen zerkratzt und der Schweiß tropfte unablässig von meiner Stirn. Nachdem ich die Packtaschen montiert hatte, beschloss ich noch kurz Pause zu machen. Meine Hände fühlten sich an wie Gummi und der Weg vor mir sah auch nicht gerade verlockend aus. 

Nach 10 Minuten brach ich wieder auf und erreichte nach wenigen 100 Metern den nächsten unmöglich zu umfahrenden Baum. Mir platzte fast der Kragen. Wieder alle Packtaschen runter und das ganze Spiel von vorne. Während ich die Packtaschen ca. 50 Meter weiter über den Baum trug, säbelte ich aus Wut mit meinem Taschenmesser alles was mich streifte aus dem Weg inkl. allem was meinem Rad nachher vielleicht im Weg war. Danach gings mir etwas besser, und ich hievte zum zweiten Mal mein Rad über einen Baum. Nachdem alles wieder am Rad war, setzte ich meine Tour zu Fuß fort, da das Gestrüpp nun zu dicht war um durchzufahren. Mein Taschenmesser hatte ich noch offen in der Hand, da ich kleine Äste die sich im Fahrrad verfingen damit abschneiden konnte. 

Insgesamt waren es noch 6 weitere Bäume über die ich hinweg musste, wobei ich bei den letzten 4 das Rad mit Gepäck drüberheben konnte, da die Stämme ganz am Boden lagen. Bei weiteren 2-3 konnte ich die Stelle umfahren, da das Gelände am Wegrand geeignet war. Dazu kamen dann noch Brennnessel und Dornen, die sich zwischen das Gestrüpp mischten und meine Arme zerkrazten. 

In Malak Preslavets kam ich nach einem kurzen Asphaltstück auf ein großes Bauernhofgelände. Ich prüfte die Wegweiser und die Karte ab, und beides stimmte überein. Also folgte ich dem Weg. Am Gelände selbst fand ich dann aber den richtigen Weg nicht und einer der Arbeiter schrie mich auf bulgarisch an, ich nehme an, dass ich hier nichts zu suchen hatte, und fuhr wieder weg, ohne dass ich wusste wo es lang ging. Ein anderer Arbeiter hatte die Szene beobachtet und näherte sich. Ich sah ihn fragend an und machte eine Geste mit der Hand in die Gegend und hoffte er verstand meine Frage. Er fragte Silistra? Ich nickte. Er zeigte in eine Richtung und ich nickte ihm dankbar zu. Knapp 6 km Sandweg bis Gravan lagen vor mir und zwar von der Sorte Sand die so fein ist, dass sie der Wind erfassen kann und einem den Sand in die Augen weht.

Nach Gravan ging es ein Stück recht gut, und als ich in Popina war, heiterte mich der Name so auf, dass ich für die letzten 5 km glaubte, gut gewappnet zu sein - und das trotz heutiger schlechter Fahrbahn. Nach ca. 500 Meter schon musste ich aber wieder vom Rad da die Büsche und Pflanzen den Weg unbefahrbar machten. Auf den nächsten 5 km schob ich mein Rad durchgehend. Diesmal musste ich scheinbar durch eine Art Sumpfgebiet, da mich die Gelsen im Gehen bombardierten, und ich manchmal bis zu 5 Stück alleine auf den Händen zählte. Alle scheinbar äußerst hungrig -_- . Sie waren überall und ich musste mich entscheiden, entweder das Rad schieben oder Gelsen erschlagen... Ich wechselte gerecht ab. Aber bei so vielen hätte ich eher einen Flammenwerfer gebraucht. 

Am Ende dieses Weges erwartete mich noch ein ca 70 Höhenmeter Anstieg, auf dem ich das Rad auch schob. Meine Beine brannten nun von den vielen Brennnesseln die hier wuchsen.

Ich fuhr noch 6 km in den nächsten Ort, auf einer asphaltierten Straße und fand dort eine Unterkunft, bei der ich auch gleich Essen konnte. 

Nachdem ich geduscht hatte, begutachtete ich noch meine heutigen Kampfverletzungen. Hände und Handflächen aufgekratzt, ebenfalls die Unter- und Oberarme die auch mit Gelsenstichen übersäht sind. Meine Beine schauen ähnlich aus, und am Rücken kann ich auf Grund des Juckreizes von einigen Stichen ausgehen. 

Alles in allem ein Scheißtag (ich habe heute schon lang darüber nachgedacht wie man diesem Tag vielleicht eine schönere Umschreibung geben könnte, aber es läuft aufs selbe hinaus, es wäre gelogen).

So, nun zum morgigen Tag: Ich freue mich schon darauf, ich werde morgen aber wahrscheinlich ausschlafen und erst später starten. Ich habe heute keine Lust mehr, mein Equipment zu reinigen und alles für morgen herzurichten, deshalb wird es sowieso später. Die Strecke morgen soll bis auf ein paar Höhenmeter leicht zu bewältigen sein.


Tag 25 / 19.08.2019

Ruse - Tutrakan

Zum Frühstück konnte ich dem Rührei mit kleinen Frankfurter Würstchen nicht widerstehen. Das Ei war vollkommen in Ordnung, nur die Würstchen schmeckten, als hätte man sie das 5te mal aufgewärmt. 

Ich hoffte, dass mir die paar Würstchen die ich gegessen hatte keine Probleme bereiten würden. 

Aus Ruse raus, fuhr ich auf einer teils 3-spurigen Straße und musste zum Geradeausfahren auch mehrmals auf die mittlere Spur wechseln. Nach ein paar Kilometern wurde sie zweispurig und dann einspurig. 20 km fuhr ich auf dieser Straße, äußerst konzentriert, da der Verkehr recht viel war. Dann fuhr ich ein Stück auf einer sehr ruhigen Straße, bis ich auf einer wirklich nur Radweg breiten Straße durch einen Sumpf fuhr. War sehr schön anzuschauen, nur musste man auf das Schilf und die Sträucher achten, die über die gesamte Fahrbahn hingen.

Danach ging es auf der großen Straße weiter bis Tutrakan. Insgesamt waren es heute 70km. Um 17 Uhr hatte ich bereits eingecheckt und war am Zimmer. Beim Abendessen bestellte ich mir mit Käse überbackene Hühnchenfilets auf Grillgemüse. Die Portion war sicher für 2 Personen. Nur gut, dass ich genau so viel Hunger hatte. :-D Und ich wusste nicht, dass Auberginen so gut schmecken können. Ich muss da glaub ich mal experimentieren wenn ich wieder zu Hause bin.


Tag 24 / 18.08.2019

Svishtov - Ruse

Heute startete ich etwas vor 9 Uhr, da die Etappe versprach, anstrengend zu werden. Zuerst noch ca. 20 km recht flach und dann begannen die ersten Hügel als Vorboten des von mir schon seit Tagen ehrfürchtig im Höhenprofil beäugten Anstiegs. Ich traute mir rein körperlich den Anstieg mittlerweile auch mit Gepäck zu, jedoch ging es über mehrere Kilometer recht steil bergauf und ich fürchtete, da es pfeilgerade bergauf ging, dass es mental wohl die größere Herausforderung werden würde. Man hat den gesamten Anstieg auf dieser Geraden im Blick. Somit war es schwieriger, als wenn man nur bis zur nächsten Kurve dachte.

Richtung Beltshov (die Hügel dort waren die Vorboten) schraubte es sich langsam nach oben. Obwohl man hier maximal auf 100 Höhenmeter fuhr, wirkte es ein bisschen wie ein Bergdorf. Der dortige Fluss Jantra schneidet hier die Landschaft entzwei und die Felswände, die runter zum Fluss führen, sind sehr beeindruckend. Diese steilen Felswände stechen hier richtig aus der sonst so sanft hügeligen Umgebung.

In Tsonevo angelangt, musste ich mich diesem Anstieg stellen. Man sah ihn schon recht früh, da in der Ferne eine Straße schnurgerade den Hang hinaufging. Als ich mich dem Fuß des Hügels näherte, erkannte ich 5 weitere Personen auf Fahrrädern, die vor der Anstrengung noch kurz Pause machten. Als ich mich Ihnen näherte, hörte ich sie bereits auf Deutsch sprechen. Und teilweise Mundart, oberösterreichische Mundart. Ich blieb natürlich stehen und wir unterhielten uns eine Weile (ich hatte auch nichts dagegen diesen Anstieg noch etwas hinauszuzögern). Zwei waren aus Steyr und 3 von ihnen aus Wien. Sie wollten ebenfalls nach Konstanza. Als wir dann losradelten (ich schloss mich ihnen für die nächsten Kilometer an), blieben ich und der ältere Herr etwas zurück. Er aus gesundheitlichen Gründen, ich weil ich mit Abstand das meiste Gewicht am Rad hatte. 

Wir plauderten während der Fahrt über das Radfahren, er hatte schon als Kind damit angefangen und war dann später auch auf eine beeindruckende 70 Tage Tour gegangen. Von Österreich, über Italien, am Meer entlang über Frankreich, Spanien bis Portugal und dann zurück zum Landesinneren dieser beiden Länder. Über die Schweiz, Tirol wieder zurück nach Hause. Wohlgemerkt ohne Google Maps!!

Die Unterhaltung war eine gute Ablenkung, um das Brennen in den Waden nicht so stark wahrzunehmen.

Als wir oben waren machten wir noch kurz gemeinsam Pause und trennten uns kurz darauf wieder. Die 5er Gruppe hatte eine etwas höhere Geschwindigkeit. Wir überholten uns jedoch an diesem Tag noch einige Male gegenseitig, da ich dafür weniger und kürzere Pausen machte.

In Dve Mogili entschied ich noch weiterzufahren und es bis Ruse zu versuchen. Es gab bis dahin zwar noch 3 im Höhenprofil eingezeichnete (also nennenswerte) Steigungen, jedoch lag ich heute recht gut in der Zeit und hatte auf den kommenden Kilometern viele Straßen die abwärts führten.

Ich kam um halb 7 mit riesigem Hunger in Ruse an. Ein Hotel hatte ich bereits gebucht, deshalb ging ich vor dem Einchecken noch Essen. Spaghetti mit Käse-Rahmsoße und Pancakes als Nachspeise. Es schmeckte himmlisch. Nach 2 Tagen ohne kulinarischem Erfolgserlebnis eine Offenbarung.

An der Rezeption fertigte man mich sehr schnell ab (wahrscheinlich aufgrund des Aussehens passte ich nicht mehr in dieses Establishment dieses Vier-Sterne-Hotels). Ich bemühte mich auch zügig alle verlangten Papiere zu zücken, damit ich den Stilaugen der etwas irritierten älteren Herren an der Bar entkam und endlich unter die Dusche springen konnte. Man sieht nach einem 90 km Radtag einfach nicht frisch aus. Wer das schafft, melde sich bitte bei mir, wie?

Nach dem Duschen ging ich noch eine Runde spazieren und kehrte auf zwei Fanta (was sonst!?! :-D ) in einer Bar ein.


Tag 23 / 17.08.2019

Nikopol - Svishtov

Das Frühstück heute morgen war recht einfach, aber sehr lecker. Etwas getoastetes Weißbrot, Tomaten, Gurken, etwas Feta, Wurst, Butter und Erdbeermarmelade. Ich wollte eigentlich am Morgen noch etwas Schmutzwäsche waschen, da es aber vor dem Frühstück noch regnete, ließ ich es sein. Ich dachte, es würde am Rad nicht trocken werden. Als ich alle Packtaschen aus dem Zimmer geholt hatte, half mir der Hotelmanager (wie er sich vorgestellt hatte ;)) mit dem Rad. Er hielt mir sogar noch das Rad, als ich die Packtaschen montierte. Als er mir dann noch voller Elan auf bulgarisch (ich verstand kein Wort) erklärt hatte, wie ich Richtung Ruse kam, war ich offiziell entlassen.

Gleich zu Beginn der heutigen Etappe, hatte ich einen Anstieg von 200 Metern. Dieser war jedoch nicht so schlimm wie angenommen, da die Steigung recht gering war und ich so langsam durchradeln konnte.
Oben angelangt suchte ich mir eine nette Bank unter einem kleinen Dach aus Weinreben (das war so hübsch, weil die Trauben über der Bank runterhingen). Dort genoss ich dann meine am Vortag eingekaufte Fanta. Eine ältere Frau setzte sich zu mir und ich versuchte ihr zu erklären, dass ich in Wien gestartet und am Weg zum Schwarzen Meer war. Ergebnis: Kopfschütteln. Entweder sie hatte mich nicht verstanden, oder sie wollte mir mitteilen, dass es verrückt sei. Ich weiß es nicht. Sie wackelte nun weiter, um mit dem älteren Herrn auf der anderen Straßenseite zu quatschen.

In Belene nahm ich die Hauptroute, um mir das Atomkraftwerk, das sich dort im Bau befindet anzusehen. Ich fuhr direkt daran vorbei, aber es war nicht sehr spannend, sah alles aus, als wäre es ein aufgegebenes Firmengelände. Nur das Fotografieren war wieder verboten. Auf der ca. 20 km langen Strecke begegneten mir nur sehr wenige Autos und ich hatte das Gefühl alleine zu sein, da alles verlassen aussah. Nichts ahnend fuhr ich an einem kleinen Häuschen vorbei, das vielleicht mal als Portierstelle gedient hatte. Alle Rollläden waren unten. Plötzlich schossen fünf ziemlich aggressive Hunde hinter dem Häuschen hervor. Ich stieg sofort vom Rad und fing im selben Moment noch an mit den Hunden zu schreien. Nach einigen Sekunden trottete ein Wachmann ebenfalls hinter dem Häuschen hervor und versuchte das Rudel aus Hunden wieder zurückzubeordern. Sie hörten aber auf ihn auch nicht wirklich, und es dauerte einige Minuten, bis ich langsam weiterfahren konnte.
Als ich im Weiterfahren so darüber nachdachte, fiel mir auf, dass die Hunde eigentlich wie Straßenhunde gewirkt haben, schmutzig und nicht wirklich gut ernährt. Meine Theorie (ich hatte ca. 1,5 Stunden im Nirvana ohne Autos Zeit diese zu entwickeln :-D) war, dass der Wachmann die Straßenhunde etwas fütterte, damit Sie rund um den Wachposten strolchten. Sollte sich hier irgendetwas bewegen, würden die Hunde anschlagen (wie zum Beispiel bei mir) und er konnte was weiß ich in der Zwischenzeit machen. Ich nahm an das es ein recht intelligenter Wachmann war :-D

In Svishtov entschied ich mich ein Hotel zu suchen, da ich bei meinen Pausenrecherchen über die heutige geplante Unterkunft herrausfand, dass diese vor kurzem zum Verkauf stand.
Am Abend aß ich dann in der Unterkunft, als einziger Gast im Restaurant. Ich bestellte Hühnchen auf chinesische Art, Pommes, ein Stück Brot und scharfe Sauce. Leider bestand das Hühnchengericht großteils aus Pilzen.
Kurz nachdem das Essen da war, fragte mich die Kellnerin ob sie kassieren dürfe. Ich dachte mir nicht viel, bezahlte und fing an zu essen. Einige Minuten später kamen die Köchin, die Kellnerin und noch ein Mann aus dem Restaurant und fuhren mit dem Auto davon. Ich war nun vollkommen alleine hier. Etwas irritiert fischte ich alles, was nicht Pilz war, aus dem Teller und verspeißte meine Pommes. Als ich fertig war ging ich dann einfach, da ja keiner da war der hätte abservieren können.

Nach dem Essen wusch ich dann noch meine Kleidung, da es morgen sonst äußerst dürftig mit frischen Sachen aussähe und hängte alles zum Trocknen auf die Terrasse.

Nachtrag zu Serbien:
Da es mir immer wieder einfällt und mir jedesmal wieder ein Schmunzeln beschert, möchte ich euch etwas erzählen das mir einige Male in Serbien passiert ist. Auf den meisten Straßen war sehr viel Verkehr und wie ich beschrieben hatte, bekam ich es wirklich oft mit der Angst zu tun. So entwickelte sich mein Gehörsinn äußerst gut und ich lernte schon anhand des Geräusches eines Fahrzeuges einzuschätzen wie knapp es diesmal vorbeibraust und wie groß es war. 
Also, mein Gehör verkündete Lastwagen wahrscheinlich mit Anhänger, älteres Baujahr und sehr schnell. Ich also ganz an den Rand der Fahrbahn inkl. Schulter einziehen (das machte die Angst :-D). Als das besagte Fahrzeug dann vorbeibrauste, Entwarnung: Fiat Punto - alt, laut und schnell - aber kein Grund Angst zu haben.


Tag 22 / 16.08.2019

Krushovene - Nikopol

In diesem Dorf gibt es unzählige Hunde, die sich die ganze Nacht lang gegenseitig anbellen. Trotzdem schlief ich recht gut und nahm das Bellen nur vor dem Einschlafen und beim Aufwachen wahr. Am Morgen im Halbschlaf war es ganz lustig, da das Bellen der Hunde mittlerweile eine Art Reflex auslöst, und ich fast in meinem Zimmer angefangen hätte, herumzuschreien. Zum Glück hatte ich mich schnell orientiert und stellte fest, dass die Hunde ja draußen waren. 

Ich fuhr etwas später los als erwartet, da ich mich von meinen Gastgebern eigentlich noch verabschieden wollte. Bezahlt hatte ich gestern schon, aber wir hatten am Vorabend noch ein nettes Gespräch, das bis 23 Uhr dauerte. Der Herr redete gerne über Politik. Nach Bulgarien scheint es noch nicht durchgedrungen zu sein, dass Herr Kurz nicht mehr Kanzler ist. :-D Ich versuchte zu erklären, weshalb. Im weiteren Verlauf wurde ich noch zum Fall Fritzl in Amstetten befragt und am Ende des Gesprächs wurden die Unterschiede zwischen Österreich und Bulgarien erörtert. 
Nun zurück, als diese kurz nach 9 Uhr noch immer schliefen, beschloss ich loszufahren, da ich noch keine Unterkunft vor Belene (100km) gefunden hatte, und ich im schlechtesten Fall heute noch bis Belene fahren musste.

Diese Etappe verlief vorwiegend durch kleine Dörfer. Einige davon waren etwas größer, dort gab es kleine Läden und manchmal auch ein Cafe. Leider komme ich hier nicht mehr mit Englisch weiter. Meist versuche ich dann mit Zeichensprache weiterzukommen. Klappt das nicht übersetze ich meist einzelne Worte wie "Kaffee mit Milch" im Google Translator und zeige es der Person. Das klappt bis jetzt ganz gut. 

Um ca. 16 Uhr erreichte ich dann Nikopol. Dort habe ich, während einer kleinen Kaffeepause auf der Strecke, ein Hotel ausfindig gemacht. Sie hatten sogar ein Zimmer frei, und der Herr, der sich als Hotelmanager vorstellte und kein Wort Englisch sprach, war sehr nett. 

Als ich meine ganzen Packtaschen im Zimmer hatte, ging ich los, um mir etwas zum Essen zu suchen. Im Stadtzentrum fand ich ein einziges Wirtshaus. Ich war froh, als die Kellnerin mir eine Karte mit englischer Übersetzung brachte. So konnte ich ihr zeigen was ich wollte. Etwas unschlüssig bestellte ich "Flat Sausages" und "French Fries". Google meinte Flat Sausages wären Fleischlaibchen, aber ich bekam eine Salami ähnliche Wurst, die platt gedrückt war. Ich bin kein Salamifan und seit heute zählt Flat Sausages auch nicht mehr zu meinem bevorzugten Essen. Zum Glück hatte ich noch die Pommes, auf denen etwas Topfen (glaub ich zumindest) drauf war. 

Am Weg zurück ins Hotel schaute ich den Leuten zu, wie sie für ein Fest, das morgen stattfinden soll, alles aufbauten.

Die Straßenhunde werden jeden Tag mehr. Nach der Reise möchte ich mir den Wunsch, einen Hund zu haben, erfüllen. Auf alle Fälle wird es ein Hund aus Bulgarien oder Rumänien. Es bricht mir fasst das Herz, wie diese Hunde in den Mülltonnen nach Fressen suchen müssen und bei großer Hitze durstig im Schatten unter den Autos schlafen. Außerdem sind viele der Weibchen scheinbar trächtig, was die Problematik nicht besser macht.


Tag 21 / 15.08.2019

Kozloduy - Krushovene

Am Morgen nach dieser unruhigen Nacht trug ich noch etwas schlaftrunken meine Packtaschen aus dem zweiten Stock nach unten zum Fahrrad. Ich hatte beschlossen, im nahegelegenen Cafe noch zu Frühstücken. Ohne Kaffee und einem richtigen Frühstück würde ich nach so wenig Schlaf nicht weit kommen. Ich nahm mir das einzige, das sie zum Frühstück anboten. Brot, überbacken mit etwas Schinken und Käse. Kann ich nur empfehlen.

Danach gings noch kurz zum Einkaufen, meinen Müsliriegelvorrat etwas nachfüllen und ein paar Bananen, etwas Brot und Wasser. Auch 2 Flaschen Fanta fanden ihren Weg in meine Arme (ich steh derzeit voll drauf :-D).

Als nun alles erledigt war, gings gleich los, vorbei am AKW. Hier war ziemlich viel Polizei unterwegs und das Fotografieren war verboten. In Ostrov dann der höchste Anstieg heute. 200 Höhenmeter auf sehr kurzer serpentinenreicher Straße. Fast (wie sich später zeigte) oben angelangt, freute ich mich hier ein kleines Gasthaus vorzufinden, in dem ich natürlich ein Fanta genoss, mit der Aussicht auf einen Toilettengang danach. 

Ich fragte den nicht englischsprechenden Kellner, wo diese sind. Er zeigte hinters Haus. Was ich dort vorfand ließ mir die Fanta wieder emporsteigen. Ein so schmutziges und stinkendes Klo oder besser gesagt Loch im Boden hatte ich noch nie gesehen. Und ich habe Erfahrung mit Plumpsklos an warmen Tagen, das war hierzu ein blumiges Erlebnis. Als ich dann fertig war, stellte ich fest, dass es (wieder mal) kein Toilettenpapier gab und nahm mir vor, von nun an immer meine Taschentücher dabeizuhaben. 

Der Weg führte nun am Kamm des Hügels entlang, in einem stetigen auf und ab. Die Anstrengung ließ mich zumindest mein Kloerlebnis einigermaßen vergessen.

In Krushovene wollte ich in einer speziellen Eurovelo 6 Unterkunft fragen, ob sie noch ein Zimmer frei hätten. Über einen steilen Sandweg, der aus dem Ort führt kam ich schließlich zum Gebäude, das ich auf Fotos im Internet sah. Zwei Leute vor dem Haus schauten mich verdutzt an. Ich fragte ob das hier eine Unterkunft sei. Der Herr nickte und meinte das sie nur auf das Haus aufpassen, solange die Eigentümer Urlaub machten. 

Die Beiden riefen diese dann an und fragten, ob ich bleiben konnte, da die Unterkunft eigentlich 2 Wochen geschlossen hat. Ich bekam ein Zimmer, was mich sehr freute, da es zur nächsten äußerst unsicheren Schlafmöglichkeit weitere 15 km waren.

Grundsätzlich wird es hier mit den Unterkünften immer schwieriger, da diese oft über keine Webseite verfügen und sie (wer hätte das gedacht) auch auf Google Maps nicht verzeichnet sind. Daher lassen sich meine Tagesetappen mittlerweile sehr schwer einschätzen und sorge vor indem ich genügend Essen und Wasser mit habe, um im Notfall mein Zelt einfach an einer geeigneten Stelle aufstellen zu können. 

Die Straßenhunde werden auch mehr. Heute habe ich mindestens 15 von ihnen gesehen, wobei sie mir zwei Mal bellend nachliefen. Stehenbleiben hilft eigentlich immer, dann laufen sie einem nicht mehr nach, sondern bleiben stehen und bellen. Ich fange nach dem Stehenbleiben meist an, mit ihnen zu schreien, bis sie weit genug weg sind um langsam weiterzufahren. Leider nehmen auch die Tierkadaver an den Straßenrändern zu. Nicht immer sichtbar, aber man riecht es recht häufig. Ein Geruch den ich wahrscheinlich nie wieder vergessen kann. 
Für die wunderschönen Aussichten, über scheinbar endloses Land, würde ich diese Anstrengungen hier in Bulgarien jederzeit wiederholen. Die sanften Hügel, die sich auf der bulgarischen Seite bis zur Donau ziehen und von denen man in das mit Feldern bedeckte Rumänien sieht, sind wirklich unbeschreiblich.


Tag 20 / 14.08.2019

Vidin - Kozloduy

Heute startete ich nach dem Frühstück voll neuer Energie in den Radler-Tag. :)

Bis Lom waren es etwa 50 km. Sollte ich bis 14:00 Uhr dort sein, würde ich weiter fahren, ansonsten müsste ich in Lom bleiben, da es dann für 50 km keine Unterkunft gab. Ich erreichte um kurz vor 14 Uhr Lom und radelte deshalb nach einer kurzen Pause weiter.

Ich war ca. 10 Stunden unterwegs und erreichte um ca. 19 Uhr Kozloduy. Dort wies mich dann das einzige Hotel ab, da sie scheinbar keine freien Zimmer mehr hatten (oder ich zu dreckig aussah). Sie schickten mich zu einem Gästehaus, das direkt über der Straße neben dem Hotel war. Dort bekam ich dann eine nette kleine Ferienwohnung und konnte auch mein Rad reinstellen. 

Der Tag war durch steile Bergfahrten und umso schönere Talfahrten, die sich manchmal über mehrere Kilometer zogen, geprägt. Nach den 100 km heute war ich zwar äußerst froh eine nette Unterkunft gefunden zu haben, dennoch hatte ich ein schlechtes Gefühl. Ich war noch nie so nahe an einem laufenden Atomkraftwerk und es behagt mir gar nicht. Ich wollte morgen so schnell wie möglich möglichst viele Kilometer zwischen mich und diesem Ding bringen, das hier so harmlos aus der Landschaft ragte.

Ich schlief sehr schlecht ein und sah das letzte Mal um 1 Uhr auf die Uhr, bevor ich dann in einen unruhigen Schlaf fiel.


Tag 19 / 13.08.2019

Vidin

Nachdem ich wunderbar ausgeschlafen hatte, ging ich zum Frühstück, zu dem ich mir meistens meine Radkarte mitnehme, um die nächsten Streckenabschnitte zu studieren.

Als ich wieder zurückkam, wusch ich meine ganze Schmutzwäsche und hing sie am Balkon auf. Heute war wieder ein so heißer Tag wie gestern, deshalb würde sie sicher trocken werden. Danach räumte ich noch alle Packtaschen aus und brachte wieder alles in Ordnung.

Währenddessen klopfte es an der Tür und ein betagter Deutscher stand vor der Tür und wollte wissen, ob meine Klimaanlage funktionierte. Ich hatte Sie gestern Abend ausgeschaltet, da es im Zimmer nur 21 Grad hatte und ich nach dem 40 Grad in der Sonne fast erfror. Es stellte sich heraus, dass die Klimaanlage in meinem Zimmer und die im Nachbarzimmer zusammenhingen und ich somit auch die des deutschen Herrn abgeschaltet hatte.

Das Einschalten funktionierte jedoch nicht mehr, deshalb war mein Zimmer dann plötzlich voller Leute, inkl. rauchenden Hausmeister im Nichtraucherzimmer mit Teppichboden... Nach ca. 15 Minuten funktionierte alles und ich war wieder alleine mit der Weisung, die Klimaanlage nicht mehr auszuschalten.

Am Abend ging ich noch Essen und ein bisschen zur Donau, bevor ich ins Hotelzimmer zurückkehrte und meine trockene Kleidung in den Packtaschen verstaute.


Tag 18 / 12.08.2019

Negotin - Vidin

Tag 18 war nicht ganz mein Tag. Am Morgen hatte ich gleich einige Höhenmeter zu absolvieren. Dabei hatte ich leider einen leichten Wadenkrampf im linken Bein. Es waren nur ein paar Sekunden, bevor ich den Fuß durch leichtes Dehnen wieder beruhigen konnte. Trotzdem hatte ich danach etwas Schmerzen im linken Bein. Während ich auf die Grenze zuradelte, dachte ich nach und mir fiel ein, dass der letzte Pausen-Tag schon 9 Tage her war. Das würde auch den Krampf und die Erschöpfung erklären, die mir heute Morgen zusetzten. Außerdem hatte es gegen Mittag schon ca. 38 Grad im Schatten (die heutige Strecke hatte leider wenig Schatten zu bieten). Also konnte ich annehmen, dass ich zum ersten Mal bei über 40 Grad in der Sonne versuchte Rad zu fahren.

Nach dem Grenzübergang und den zwei Passkontrollen, machte ich mich auf den Weg Richtung Vidin. Ich hatte mich schon dazu entschieden, eine kürzere Alternativroute nach Vidin zu nehmen, da ich körperlich schon ziemlich am Ende war und mein Wasser heute mit 3 Litern etwas knapp bemessen war. Weiters hatte ich bis Vidin keine Möglichkeit bulgarische Währung abzuheben, da die Dörfer zu klein waren.

Nach ca. 5 km in Bulgarien blieb ein roter Van auf der Gegenfahrbahn stehen. Ein Mann in meinem Alter saß darin und fragte: "Vidin?" Ich nickte. Später fragte er immer wieder "Sex?" und stieg aus. Er blieb 2 Meter von mir entfernt stehen. Während ich mich noch dumm stellte und so tat als würde ich nicht verstehen, überlegte ich, wie ich aus der Situation wieder rauskam, sollte das auf Handgreiflichkeiten hinauslaufen. Hier war der Krav Maga Kurs hilfreich. Sollte er noch näher kommen, würde ich ihm zu verstehen geben, dass ich nicht damit einverstanden war und in weiterer Folge hatte ich geplant, seine Augen und die Stelle anzugreifen, die äußerst schmerzhaft bei Männern ist. Das Ganze formierte sich innerhalb von Sekunden in meinem Kopf. Ich wollte es jedoch zuerst mit einem "Nein" versuchen und da ich noch auf dem Rad saß einfach wegfahren. Als er mir nach ein Paar Sekunden ein eindeutiges Handzeichen gab was er wollte, konnte ich mich nicht weiter dumm stellen und spielte alles so ab wie geplant ab. Kopfschütteln und "Nein" gesagt. Auf den Sattel und davonfahren. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie er mit den Schulter zuckte, wieder ins Auto stieg und in die entgegengesetzte Richtung davonfuhr. Ich war erleichtert, dass es so gut ausgegangen war. Dennoch hielt ich im nächsten Schatten an um mir mein Taschenmesser in die Tasche am Rücken meines Radtrikots zu stecken.
So begrüßte mich Bulgarien mit einem ähnlich schrägen Erlebnis wie Budapest.

In Yasen folgte ich dann der 16km langen Alternativroute nach Vidin, als die ursprünglichen 32km entlang der Donau. Ich hatte nur noch einen halben Liter Wasser und kaum setzte man nach dem Trinken ab, hatte man schon wieder Durst.

Als ich, mittlerweile ohne Wasser, Vidin erreichte, war der erste Halt am Bankomat, um Geld abzuheben. Leider wurde meine Karte nicht akzeptiert. Ich suchte am Handy einen Raiffeisen Automaten, und fuhr noch 2km in die Stadt hinein. Der Durst wurde mittlerweile unerträglich. Ich überlegte schon mit einer Wasserflaschen an einer Haustür zu klingeln. Als ich beim Automaten war - selbes Problem, meine Karte wurde nicht akzeptiert. Ich checkte den Kontostand und das Tages- / Wochenlimit. Alles in Ordnung. Also rief ich meinen Berater in Österreich an, der auch noch mal alles checkte. Seine Schlussfolgerung war, dass die Karte kaputt sein musste. Er fragte, ob ich ein Kreditkarte mit hätte. An die hatte ich gar nicht gedacht. Also hob ich dann mit dieser ab (ich will gar nicht an die Gebühren denken). Ich sollte es morgen noch mal probieren. Wenn es nicht klappte, sollte ich mich melden und wir vereinbaren eine Adresse in Konstanza, an die sie mir eine neue Karte schicken können.

Endlich mit Bargeld ausgestattet stürmte ich in den nächsten Laden und kaufte mir Wasser. Hab mich selten so über eine Flasche Wasser gefreut. Kann mir nicht vorstellen, dass man in diesem Zustand 2-3 Tage überleben könnte. Danach gönnte ich mir ein Abendessen. Der Tag war schnell vergangen, da ich beim Grenzübergang in eine andere Zeitzone wechselte und es somit schon eine Stunde später war. 

Im Hotel angekommen, fragte ich, ob das Zimmer noch einen weiteren Tag frei wäre. Ich muss wieder einen Tag Pause einlegen, sonst würde ich die nächsten Tage irgendwo liegen bleiben. Ich dachte an den Radfahrer der den gesamten Eurovelo 6 fuhr und den ich bei meiner letzten Radtour kennengelernt hatte. Er war ca. 3 Monate unterwegs und hatte mir gesagt, dass man nach spätestens 7-10 Tagen eine Pause braucht.

Das Zimmer war auch noch einen weiteren Tag frei und somit kann ich morgen einen Tag hier verbringen und Wäsche waschen und meine Packtaschen wieder in Ordnung bringen. Und natürlich entspannen. :)


Tag 17 / 11.08.2019

Kladovo -Negotin

Dieser Morgen fing damit an, dass ich mein Fahrrad und die Packtaschen aus dem vierten Stock hinuntertrug, während ich auf den Vermieter wegen der Bezahlung und der Schlüsselrückgabe wartete. Nach einem Kaffee in Kladovo gings los durch mehrere Dörfer. Die Höhenmeter waren heute auf einem erträglichen Niveau und einige als sehr schlecht markierte Wege waren gerade frisch asphaltiert worden. 

Die zweite Hälfte der heutigen Etappe verlief dann wieder direkt neben der Donau bis zum Kraftwerk Derdap II.

Grundsätzlich war die Strecke heute schön, wenn man sie nicht mit der gestrigen Etappe, dem Donaudurchbruch und dem Eisernen Tor vergleicht.

Die Straßen heute waren deutlich ruhiger als die der letzten Tage und ich konnte auch während der Fahrt manchmal die Umgebung beobachten. Die Dörfer waren aufgrund der Hitze heute wie ausgestorben.

Gegen Mittag hielt ein Auto an und die Beifahrerin fragte mich wo ich hinfahre und woher ich komme. Sie sehen hier öfter Radfahrer mit viel Gepäck, deshalb wollte sie wissen wohin ich fuhr. Ich erzählte ihr, dass ich am Donauradweg unterwegs bin und ans Schwarze Meer wollte. Im nächsten Ort traf ich die beiden dann wieder, als sie gerade aus dem Auto stiegen. Die Frau bot mir kaltes Wasser an, aber ich lehnte dankend ab. Kaltes Wasser ist nach 2 Stunden Fahrt bei über 35 Grad nicht das richtige um seinen Durst zu löschen, auch wenn es äußerst verlockend war. Ich blieb bei meinen 4 Liter solarerwärmten Wasser, das zu meiner Körpertemperatur passte. ;)

Etwa 20 Kilometer vor meinem heutigen Ziel sprach mich ein älterer Herr vor einem Haus mit gebrochenem Deutsch an und fragte, von wo ich komme. Wir sprachen einige Minuten, zwischendurch kam kurz seine Frau dazu und verschwand dann wieder. Als ich mich gerade verabschiedete kam sie zurück und schenkte mir ein große Rebe mit Weintrauben daran. Ich hatte davon in Reiseberichten gelesen, hatte aber nicht gedacht, dass es mir passieren wird. Die Menschen hier haben echt oft wenig und schenken dann Wildfremden einfach etwas zu essen. Ich bin so beeindruckt und berührt von diesem Verhalten. Ich mag die Menschen hier, vor allem die in den ländlichen Regionen. Sie wirken zufrieden, obwohl man ihre Häuser bei uns wahrscheinlich nur noch abreißen würde und ihre Autos älter sind als ich.

Die Alten sitzen am Abend meist auf Bänken vor den Häusern und freuen sich wenn man vorbeiradelt. Gibt es sprachliche Übereinstimmungen, wechselt man ein paar Wörter, ansonsten wird einfach gewinkt und zugejubelt. Einfach klasse. 

Da heute mein letzter Tag in Serbien ist und ich morgen über die Grenze nach Bulgarien fahre möchte ich kurz zusammenfassen:

  • Menschen: 1A, immer hilfsbereit und freundlich (bis auf kleine Ausnahmen, die bei uns auch mindestens so oft vorkommen wie hier).
  • Straßen: Im Norden waren sie sehr schlecht, in Zentralserbien wurden sie dann immer besser.
  • Autofahrer: Ich möchte nicht über den Fahrstil sprechen... Nett ist aber, dass man hier als Radfahrer oft zur Begrüßung angehupt wird und die Fahrer einen lächelnd und winken entgegenkommen.
  • Essen: Sehr viel Fleisch, weshalb ich meist auf Pizza, Pasta und Burger ausgewichen bin, um die nötigen Kohlenhydrate zu bekommen. Etwas würziger werden hier auch diese Speisen zubereitet.
  • Kaffee: Ich muss sagen, ich freue mich wieder darauf Milch und ein Glas Wasser zu Kaffee zu bekommen.
  • Preise: Man fühlt sich hier wie ein reicher Mensch, selbst wenn man in Österreich gerade so über die Runden kommt. Sowohl Lebensmittel als auch Unterkünfte sind äußerst preiswert. 

Kurzer Aufruf an alle (speziell an die Frauen unter euch) die meinen sie würden sich das nicht trauen. Jeder Mensch lernt sehr schnell sich anzupassen, die Körpersprache, Mimik und Gestik zu lesen, wenn er in einem Land kein Wort der Sprache versteht. Und es ist jede einzelne Peinlichkeit wert, wenn ich an das denke, was man über andere Kulturen und Menschen auf solchen Reisen lernt.

Und noch eines, aus gegebenen Anlass, da die Dame, die mich an der Unterkunft gestern erwartete, kaum glauben konnte, dass ich eine solche Reise als Frau alleine mache. Ich denke, dass die Gesellschaft zumindest im Großteil dieser Welt dafür bereit sein müsste, dass Frauen und Männer auf Augenhöhe zusammenarbeiten können. Aber das funktioniert nur, wenn wir als Frauen aufhören, uns nichts alleine zuzutrauen. Solange wird es auch Unterschiede in der Gleichberechtigung geben. Unsicherheit wurde uns lange beigebracht, um uns gefügig zu machen, genauso könnt ihr euch aber auch Neugierde und Abenteuerlust beibringen. Diesen Absatz wollte ich schon lange hier unterbringen da ich es sowohl jetzt auf der Reise als auch in der Vorbereitung darauf sehr traurig fand, wie viele Frauen auf meine Erzählungen mit, "das würde ich mir nicht trauen", antworten. Von einem Mann hab ich das fast nie gehört. Also liebe Frauen und die, die es werden wollen: Auf in die große Welt!

 

Nachtrag zu Tag 15:
In der Nacht in der ich in der Holzhütte geschlafen hatte wurde ich um ca. 1 Uhr wach. Ein etwas großes und haariges Ding hatte meinen Arm berührt. Ich saß sofort im Bett, im Kopf Bilder von riesiger Spinne, Maus oder Ratte. Puls ca. 160... Ich überlegte ob ich das Licht aufdrehen sollte, aber ich wusste nicht ob ich sehen wollte, was da meinen Arm berührt hatte, bevor ich es wegschleuderte. Als mein Kopf schlaftrunken arbeitete, hörte ich plötzlich ein Schnurren bei meinen Füßen. Da fielen mir die zwei Katzen wieder ein die im Hostel ihr Unwesen trieben. Die eine gehörte dem Besitzer und hieß Olli, die andere war eine Streunerkatze und ein Freund von Olli und auch immer hier anwesend. Als ich das Licht anschaltete, saß da der Bandit (so wurde die Streunerkatze vom Hostelbesitzer genannt). Als ich ihn aus dem Fenster über das er eingestiegen war wieder hinausbefördert hatte, schlief ich fast sofort wieder ein.


Tag 16 / 10.08.2019

Donji Milanovac - Kladovo

Um ca. 9:45 ging es heute los Richtung Eisernes Tor. Bei einer ca. 18km langen und noch sehr flachen Anfahrt zum Eisernen Tor legte ich noch meine 15km pro Stunde hin. Somit war ich um ca. 11 Uhr an einer der schönsten Stellen dieser Tour. Nachdem ich direkt nach der engsten Stelle der Donau ca. 200 Höhenmeter absolviert hatte, fühlte ich mich als ob ich einen Berg in den Alpen bestiegen hätte und nun auf die Täler hinabblickte. Es war atemberaubend.

Bis zum höchsten Punkt heute, hatte ich auch noch 3 Tunnel zu meistern, wobei einer länger als 300 Meter war. Da drinnen verstand ich plötzlich die Berichte über die Todesangst in den Tunneln. Es ist vollkommen dunkel, man sieht nur einen kleinen Lichtkegel der etwa so breit wie das Rad mit Gepäcktaschen ist. Außerdem ist die Fahrbahn rechts durch einen 30cm Gehsteig begrenzt. Denn sollte man nicht erwischen, zu weit bei der Mittellinie ist auch nicht gut da man sich ja in einer langezogenen Kurve befindet. So pendelt man dann mit dem schmalen Licht zwischen den beiden hin und her und versucht in der Finsternis einigermaßen die Spur zu halten.

Trotzdem ging alles gut aus und ich verließ den letzten Tunnel mit großer Freude es geschafft zu haben.

Bei der Abfahrt war ich äußerst dankbar für die Scheibenbremsen. Mit meinem alten Rad wäre ich hier wahrscheinlich baden gegangen...(im besten Fall). In Tekija blieb ich auf einen Kaffee. Auf einem Schild vor dem Restaurant stand ein Schild mit drei Zeichen oben: Mitgebrachtes Essen verboten, Hunde verboten und Waffen verboten. Ich nahm mir vor meinen Kaffee lieber schnell zu trinken :-D

Der restliche Weg bis zu meinem heutigen Ziel war flach (flach bedeutet mittlerweile langezogenen Auf und Abs ;))

Beim Wasserkraftwerk Derdap I hielt ich kurz an um die gigantischen Schaufeln der Kaplan-Turbinen anzusehen. Einige von ihnen lagen vor dem Kraftwerk, ev. werden diese gerade ausgetauscht. Aber egal, die sind einfach riesig, ich glaube man könnte mindestens ein Auto darauf parken. Über mir knisterten die riesigen Strommasten, die vom Kraftwerk wegführten. Da ich davon Gänsehaut bekam fuhr rasch weiter. Um 16:30 Uhr saß ich nach 62km schon beim Abendessen und buchte noch eine Ferienwohnung (Um 20 Euro kann man nicht nein sagen :) ).


Tag 15 / 09.08.2019

Veliko Gradište - Donji Milanovac

Ich startete wieder sehr spät. Es liegt daran, dass die Betten scheinbar immer bequemer werden, je weiter ich komme. Nach ca. 10 km gab es in Vinci meinen Frühstückskaffee. Danach sollte es dann stetig ansteigen. Als ich an der Festung Golubac, der am besten erhaltenen in Serbien, vorbeikam, machte ich eine kurze Pause neben dieser um die Aussicht zu genießen. 

Um ca. 14 Uhr radelte ich durch Dobra. Hier begannen die insgesamt 21 Tunnel, die ich zu passieren hatte. Die Tunnel waren zwischen 60 und 260 Meter lang und zudem alle unbeleuchtet. Deshalb hatte ich heute morgen auch noch meine Lampen am Fahrrad überprüft, da es ohne Licht wirklich nicht möglich wäre, durch die Tunnel zu fahren. Die längeren von ihnen haben auch Kurven und es wird vollkommen dunkel. Ich hatte das Glück, dass zu dieser Zeit wenige Autos fuhren, und ich nur selten in den Tunnels überholt wurde. Dafür war ich äußerst dankbar.

Nachdem ich heute ca. 15 dieser Tunnels geschafft hatte, folgte ein ca. 100 Höhenmeter umfassender Anstieg. Diesen schaffte ich nur, indem ich mich von Schatten zu Schatten kämpfte und dann immer wieder 1-2 Minuten Pause machte. Oben angekommen ließ ich mein Fahrrad kurz auf einem Parkplatz stehen und ging über einen kleinen Hügel. Dort hatte ich eine wunderschöne Aussicht über das ganze Donautal. Ich saß dort, bis ich mich wieder im Stande fühlte die Abfahrt zu genießen. :-)

Als ich zum Rad zurückkehrte, kamen einige Autos vorbei die mir anerkennend zuhupten und die Leute dabei aus dem Fenster grinsten. Die Abfahrt war äußerst steil und mein Rad zeigte das erste Mal wie ruhig es trotz Gepäck läuft. Ich konnte ca. 5km genießen, auf denen es immer wieder leicht bergab ging. 

Kurz vor dem Ziel heute gab es noch ein paar Hügel zu meistern, die in Anbetracht des eben geschafften locker machbar waren. 

Um 16:30 Uhr kam ich heute an und buchte mir dann ein Zimmer in einem Hostel. Geworden ist es dann zwar eine kleine Holzhütte (scheinbar eine Doppelbuchung für das selbe Zimmer), aber es steht ein Bett drin und es gibt eine Dusche und ein WC. Mehr brauche ich nach so einem Tag nicht. 

Morgen werde ich das Eiserne Tor erreichen. Darauf freue ich mich schon sehr, auch wenn die morgige Etappe durch einige Höhenmeter nicht nur Spaß machen wird.


Tag 14 / 08.08.2019

Banatski Brestovac - Veliko Gradište

Heut morgen war es schon ziemlich heiß um 7 Uhr im Zelt, da die Sonne direkt draufschien. Also legte ich los mit Umziehen und Zusammenpacken. Als dann alles am Rad oben war und ich ein Weckerl von gestern zum Frühstück verdrückt hatte, warf ich meine Spende in die Box, die am Eingang aufgehängt war, und verabschiedete mich von den netten Deutschen, die mich gestern zum Abendessen eingeladen hatten. Sie waren übrigens beide über 70, was mich total beeindruckt hat, das sie eine so lange Reise wagten. Eindeutig zwei neue Vorbilder für mich.

Vor mir lagen nun 42 km Dammweg, die meist recht schlecht befahrbar waren. Ich hoffte, dass der Weg dennoch besser war als die 10km gestern. Das war er dann auch, bis auf eine 7km Passage, die nur aus Wiese bestand. Auf diesem Weg gab es außer ein paar Fischern und Imkern, nur noch ein sehr langes Augebiet, in dem sich viele Vögel tummelten. Leider wird hier sehr viel Müll liegen gelassen, und die Vögel sitzen manchmal zwischen einem Meer aus Plastikflaschen.

Die letzten 5km zur Fähre in Stara Palanka waren tierisch: Zuerst erschreckten mich zwei Hunde die hinter mir bellend aus dem Gebüsch sprangen. Dieselbe Vorgehensweise wie beim letzten mal: stehen bleiben, schreien, böse gucken, weiterfahren (langsam, bis sie außer Sichtweite waren). Danach standen 4 Esel am Damm. Einer davon klaute gerade einem der Fischer das Jausensemmerl. Ein Hirte kam und trieb in schnell wieder zurück, bevor er es fressen konnte. Weiter ging es mit einer großen Kuhherde, die von 3 Hunden und 2 Hirten bewacht wurde. Ich stieg vom Fahrrad und ging langsam an ihnen vorbei. Einige der Kühe waren sogar in einem Seitenarm der Donau baden. Als ich mein Ziel schon fasst erreicht hatte, saßen vor mit auf dem Damm mehrere Hundert Vögel (schwarze, bin mir nicht sicher welche). Als ich mich langsam näherte hob der gesamte Schwarm ab. Das ist wie Tauben verscheuchen, nur im großen Stil.

Um 16:30 ging ich dann auf die Fähre nach Ram. Diese Fahrt war sehr beeindruckend. Die Donau ist an dieser Stelle sehr breit und man hatte eher das Gefühl auf einem See unterwegs zu sein. Die Überfahrt dauerte sicher 15 Minuten. In Ram angekommen, waren ein paar Höhenmeter zu absolvieren, bevor es auf eine wunderschöne Abfahrt, mit langen flachen Strecken dazwischen ging. 

Die letzte Herausforderung dieses Tages, erwartete mich noch bei der Suche der Unterkunft die ich heute gebucht hatte. 1,5 Stunden unfreiwillige Stadtbesichtigung, da ich mich durchfragen musste (kein Internet) und mich die Leute sehr selbstsicher quer durch die Stadt schickten. Am Ende kehrte ich zum Ausgangspunkt zurück und fragte ein Pärchen mit Kind nach dem Weg. Diese begleiteten mich 2 Straßen weit bis direkt vors Hotel. 


Tag 13 / 07.08.2019

Belgrad - Banatski Brestovac (nahegelegenster Ort)

Heute stand Belgrad am Programm. Um ca. 11 Uhr trank ich in Zentrum einen Kaffee mit sehr schönen Blick auf die Donau und das noch vor mir liegende Belgrad. Die Straße bis zum Radweg ans Ufer war sehr stark befahren und einige Male auch mehrspuhrig - ohne Radweg. Am Radweg angelangt, der zur ersten Brücke über die Save führte, radelt ich einige Kilometer an einer schönen Promenade entlang. 4 km nach der Brücke musste man dann wieder im fließenden Verkehr durch die Stadt. Hier machte ich dann eine kurze Einkaufspause. Nachdem ich alles verpackt hatte, studierte ich die Radkarte, um mir den weiteren Weg einzuprägen, da ich auf der Straße meist keine Gelegenheit habe zu schauen wo ich hin muss. Ein netter Herr fragte mich sogleich, wo ich hinmüsse und ob er mir helfen kann, wie meistens in Serbien, sobald man ratlos aussieht. :) Er beschrieb mir den Weg zur nächsten Brücke in sehr gutem Englisch. Vor der Brücke angelangt, brauchte ich ca. 10 Minuten um über die riesige Ampel geregelte Kreuzung zu kommen. Laut Karte müsste ich im fließenden Verkehr über die Brücke fahren...

Auf der einspurigen Auffahrt dachte ich mir noch nicht viel. Als es dann plötzlich zweispurig wurde und eine weitere Auffahrt mit jeder Menge Autos, die jetzt rechts von mir auf die Brücke wollten, einmündete, wurde mir etwas mulmig. Ich versuchte auf die rechte Spur zu kommen und flüchtete, nachdem ich schon einige Huper kassiert hatte ehestmöglich hinter die Leitplanke, auf der ein kleiner Pfad von Fußgängern ausgetreten war. Ich schob nun das Rad über die 1,8 km lange Brücke auf einem Gehsteig, der kaum Platz für mich und mein Fahrrad bot. Immer noch besser als auf der Straße, dachte ich mir. Danach ging es auf ein äußerst schlecht befahrbare Dammweg.

In Pancevo trank ich einen Kaffee, als Belohnung für die geglückt Belgrad-Durchquerung. :-D Dort war der Wirt sehr freundlich und sagte mir, das sie auch WLAN hatten. Das war der perfekte Moment, um sich über die heutige Übernachtungsmöglichkeit Gedanken zu machen. Ich hatte mir schon einen Campingplatz in 25 km rausgesucht, der auf meiner Karte eingezeichnet war. Nun kontrollierte ich noch, ob dieser auch geöffnet ist und wie lange.

Am Ende des letzten größeren Ortes vor meinem heutigen Ziel traf ich dann, nicht auf meine ersten Straßenhunde, aber auf die ersten die mir nachliefen und mich anbellten. Ich hab das dann so gemacht, wie ichs mir schon hundertmal vorgesagt habe: vom Fahrrad abgestiegen, die Hunde angesehen und zurück gebrüllt und möglichst gefährlich dabei ausgesehen. Zähne zeigen natürlich inklusive. :-D Als sie sich langsam zurückzogen und der Abstand groß genug war, setzte ich mich auf mein Rad und fuhr langsam davon, bis sie außer Sichtweite waren.

Die letzten 10 km bis zum Campingplatz verliefen wieder auf einem Dammweg. Scheinbar hatte jemand beschlossen diesen zu pflügen und der Untergrund war somit sehr weich und ich schwamm mit dem Rad förmlich dahin, von Rille zu Rille. Dann noch ein Schlammloch das über die gesamte Breite des Damms verlief. Ich musste also durch... Ich visierte die schmalste Stelle an und hoffte, dass es sich bis zur anderen Seite ausging. Es glückte, aber mein Fahrrad und ich sahen aus als hätten wir uns darin gewälzt. Naja, der Campingplatz war nur noch 1-2km entfernt.

Dort angekommen stellte ich mein Zelt am Zeltplatz auf. Als ich gerade meine Sachen einräumt kam eine Frau vom gegenüber stehenden Campingbus zu mir und fragte, ob ich mit ihnen essen wollte. :-) Das war sehr nett, da es hier kein Restaurant gab. Dieser Campingplatz ist ideal zum Abschalten. :) Es gibt auch kein WLAN hier.
So setzte ich mich zu ihnen und genoss einen erstklassigen Linseneintopf. Das ältere Pärchen aus Köln (Umgebung) reist schon seit Juni durch den ganzen Balkan.
Nach dem Essen bedankte ich mich und machte mich eilig daran noch mein Fahrrad nach der Schlammschlacht zu reinigen. Auch die Schaltung und die Kette habe ich noch grob vom Schlamm befreit und neu geölt.
Währenddessen überfiel mich pünktlich um halb neun eine Horde von Gelsen. Ich finde, Gelsen stehen in der Nahrungskette eindeutig über uns. ;-)
Wer sich nun denkt, sehr viele Strapazen und wilde Straßen, über die ich hier schreibe, dem möchte ich sagen, dass ich diese Reise und jeden bis jetzt erlebten Tag jederzeit wiederholen würde. Es ist schön hier, es erfüllt mich mit Freude all diese Menschen und ihre Eigenheiten kennenzulernen. Zu sehen, dass die Vorurteile, die so mancher im Westen vor dem Balkan hat, unbegründet sind. Es ist anders hier, aber nicht schlechter, nur einfacher und etwas wilder (wenn man den Fahrstil miteinbezieht).


Tag 12 / 06.08.2019

Novi Sad - Belgrad

Heute startete ich relativ spät, um halb 10. Vom Hotel mit einer komplett frisch gewaschenen Kleidergarnitur. Von Novi Sad ging es gleich zu Beginn hügelig los Richtung Sremski Karlovci. Dort machte ich eine kurze Kaffeepause, da ich vor dem kommenden Anstieg, ca. 200 Höhenmeter, nach Banstol etwas Respekt hatte, um es freundlich auszudrücken. Das sind die ersten nennenswerten Höhenmeter dieser Tour, denen ich eine gewisse Aussagekraft beimaß, wie es mir im hügeligen Bulgarien gehen wird.

Der Steigung betrug laut Beschilderung 5-8% auf einer Strecke von 6 km im fließenden Verkehr. Als ich ca. die Hälfte geschafft hatte und auf der einzigen flachen Stelle, die diese 6 km zu bieten hatten, langsam dahinrollte, kam mir auf der Gegenfahrbahn ein Traktor entgegen. Der ältere Herr darin winkte begeistert und feuerte mich auf serbisch lautstark an. Nach dieser Motivation machte ich mich an die zweite Hälfte des Anstiegs nach Banstol. Ich erntete bis oben noch einige Grinser inkl. Daumen nach oben von den Autofahrern.

Leider gab es auch noch einen kleinen Zwischenfall mit einem LKW,  der mich so knapp überholte, dass ich wieder mal auf das viel zu tief liegende Bankett flüchten musste. Das Pedal schrammte wieder einmal an der Asphaltkante dahin und ich konnte nicht mehr schnell genug gegenlenken um eine kleinere Kollision mit der Leitplanke zu verhindern. Das meiste hatte die Vordertasche abbekommen. Diese ist zum Glück aus einer Art LKW- Plane, die sehr stabil ist und keinen Schaden nahm.

Eines muss ich zum "Radweg" durch Serbien sagen, kulturell finde ich diese Tour sehr spannend, aber die meisten Radwege kann man hier eindeutig nicht als solche bezeichnen.
Jedoch sind die Menschen in Serbien so nett, dass man ihnen ihren Fahrstil verzeihen muss.

In Banstol, nach ca. 1 Stunde stetigem Bergauf gönnte ich mir ein Fanta als Belohnung, dass ich alles raufgeradelt bin. Ab nun sollten, so nahm ich an, nur noch kleinere Anstiege bis Belgrad anstehen.
Diese Annahme war jedoch falsch. Nach einer längeren Abfahrt nach Banstol ging es in einem stetigen rauf und runter Richtung Belgrad.

Je weiter man sich der Stadt näherte, desto mehr tote Tiere pflasterten die Straße. Fuchs, Hund, Hasen, Igel, Mäuse, Ratten, Schlangen und Vögel. Das waren vom Geruch her äußerst unangenehme Stellen und ich war froh über den Tag immer nur kleine Mahlzeiten zu mir genommen zu haben, ansonsten hätte ich wahrscheinlich an einigen Stellen erbrechen müssen.

Am Campingplatz kam ich ca. um 19:30 Uhr an. Beim Abmontieren der vorderen Gepäcktaschen fiel mir dann auf, dass eine Halterung aus der Schiene gesprungen war (bei der Kollision mit der Leitplanke). Nach dem Aufstellen des Zeltes, es war schon dunkel als ich fertig wurde, ging ich schnell duschen und setzte mich dann mit der Glühbirne, die ich wie eine Halskette um den Hals montiert hatte, vor das Zelt und reparierte noch die Gepäcktasche. Die Halterung musste ich vollständig abschrauben, um das herausgesprungene Metallplätchen wieder in die Schiene zu bekommen.
Eigentlich wollte ich auch das Rad noch etwas reinigen und die Kette ölen, aber dafür war es heute eindeutig zu spät.


Tag 11 / 05.08.2019

Bačko Novo Selo -  Novi Sad

Heute startete die Tour etwas später. Um 9:45 machte ich mich, nach einem Frühstück auf der wunderschönen Terrasse der Unterkunft, auf den Weg. Zum Aufwärmen hatte ich gleich 7km Sandfahrbahn zu meistern. Danach sah ich aus als hätte ich mich an einem Strand gewälzt und mich danach nicht geduscht - und das nach der ersten dreiviertel Stunde der Tagesetappe. Auch mein Rad, die Gepäcktaschen und meine Wasserflaschen waren voll von diesem feinen Sand. 

Bis Plankenburg hatte ich dann noch einen 4km Abschnitt mit Sand. Als ich aus Plankenburg rausfuhr, ging es durch ein großes Industriegebiet. Jede Menge LKWs und Autos. An einer Mülldeponie musste ich auch vorbeifahren. Es erschlossen sich mir noch nie dagewesene Abgründe in der Welt der Gerüche. :-O

Ca. 9 km musste ich nun auf einer riesigen Straße fahren, auf der die LKWs aus dem Industiegebiet Richtung Novi Sad losrollten. Ich fuhr aufgrund der recht schmalen Fahrbahn zwischen der weißen Markierung am rechten Rand und der Kante auf das Straßenbankett. Meine heiligen 15cm Asphalt. Der Stieg hinunter aufs Bankett lag ca. zwischen 5-15cm. Also für ein voll beladenes Fahrrad doch teilweise sehr hoch. Sobald Gegenverkehr auftauchte, musste ich mich in Acht nehmen, denn dann hielten die Autos wirklich gar keinen Abstand mehr ein und knallten mit 90km/h, 10-20cm am Lenker vorbei. 

Einige Male konnte ich den Reflex nicht unterdrücken einfach stillzuhalten und fuhr aufs Bankett. Einmal war jedoch der Stieg zu hoch und mein Pedal streifte beim Runterfahren die Asphaltkante. Hier nahm leider das Pedal etwas Schaden. Ich fuhr dann einige Zeit am Bankett, da der Stieg zurück auf den Asphalt zu hoch war. Das seltsame ist jedoch, dass die Leute, trotz ihres Fahrstils total freundlich sind, einige hupten und winkten mir eindeutig wohlgesinnt und lächelnd zu.

Die 9km fuhr ich in einem Zug durch, da ein Absteigen auf dieser Straße absolut nicht in Frage kam. Nachdem ich von der Straße herunten war, brauchte ich eine Nervenberuhigungspause, in der ich auch meine Reifen kontrollierte, ob sie bei den etwas unfreiwilligen Bankettfahrten Schaden genommen hatten. Zum Glück hatte nur mein linkes Pedal ein paar Kratzer abbekommen. 

Während der Pause kam ein anderer Radfahrer mit Gepäck daher und lenkte mich etwas ab. Er wollte nach Albanien und war aus Pisa. Dank dieses netten Gesprächs beruhigte sich mein Puls wieder und ich nahm die Fahrt wieder auf.  

Ab hier hatte ich dann großes Glück. Eigentlich dachte ich, es lägen noch 16km Sand- oder Kiesfahrbahn (laut Karte) vor mir. Vorgefunden habe ich 16 km frisch asphaltierten Dammweg, der ohne Probleme befahrbar war.

Um ca. 16:30 kam ich beim Hotel an. Ich hatte es gebucht, da auf der Webseite ein Wäscheservice angeboten wurde. Beim ersten Nachfragen war die Dame an der Rezeption etwas verwirrt und meinte, das gäbe es nicht. Nachdem ich ihr sagte, dass es aber auf der Buchungsplattform steht, ging es dann doch plötzlich und ich durfte ihr meine Kleidung bringen.

Mittlerweile funktioniert die Navigation ohne Google Maps auch schon ganz gut. Gewisse Stellen schau ich mir am Vortag im WLAN der Unterkunft an und präge sie mir ein und der Rest, Beschilderung und Nachfragen oder sich Fragen lassen ob man Hilfe braucht. Wenn man verwirrt in der Gegend herumsteht, kommen die Leute hier meist von selbst und fragen, ob Sie helfen können. Ich wurde heute sogar gefragt ob ich genügend Wasser hätte oder welches brauche. :)


Tag 10 / 04.08.2019

Sombor - Bačko Novo Selo

Ich werde versuchen mich heute kurz zu fassen, da ich 120km in den Beinen habe. Vorne weg, der Tag war landschaftlich unbeschreiblich schön. Gestartet bin ich heute um ca. 8:30.

Sombor war die erste größere Stadt, die mich ohne Wegfindungsschwierigkeiten wieder weiterziehen ließ. Die Beschilderung auf der gesamten Etappe war sehr gut und ich konnte den Weg in den meisten Fällen ohne Schwierigkeiten finden (derzeit habe ich genaue Google Mapskarten nur, wenn ich in ein WLAN komme).

In Apatin wurde nun zum ersten Mal seit 9 Tagen eine Pinkelpause unter Tags fällig, deshalb hielt ich in der Nähe der Kirche Ausschau nach einem kleinen Gasthaus. Ich wurde fündig, das mit der Kirche funktioniert hier fast immer. :-D Zuerst versuchte ich beim Wirt der nur Serbisch sprach und an einer Hand keine Finger mehr hatte ein Getränk zu bestellen. In der Vitrine sah ich nur Bier. Als er verstand das ich etwas ohne Alkohol haben möchte (es war 11 Uhr vormittags) kramte er von Hinten eine Cola hervor. Ich nahm dankend an und setzte mich zu 8 Männern in den Gastgarten. Dort hörte ich sie dann auf Serbisch über "Bikes" diskutieren. 

Einer sprach etwas Englisch und fragte mich wo ich hinwollte. Ich sagte ans Schwarze Meer. Das schienen sie mir nicht zu glauben und eine wilde Diskussion entbrannte. Meine Karte mit der Route wurde herumgereicht und man fragte warum ich nicht auf der kroatischen Seite fuhr. Ich sagte, dass ich mich eben für die serbische Route entschieden hätte. Als ich endlich mein Cola ausgetrunken hatte, fragte ich den Mann der etwas Englisch sprach, ob es hier eine Toilette gäbe. Er übersetzte es dem Wirr, der mir dann im Gasthaus selbst die Toilette zeigte.
Im Stehen musste ich trotzdem Pinkeln (stellt euch Autobahn-Toiletten vor, dann noch etwas schlimmer und dann sind wir ca. dort).

Als ich mich zum Weiterfahren entschloss, verabschiedeten sich alle sehr freundlich von mir, und es wurde gleich wieder weiterdiskutiert.

Nach Apatin kamen riesige Felder und Kilometer lange Geraden auf mich zu, bis ich das Naturschutzgebiete Obere Donau erreichte. Hier war auf ca. 20 km Länge gar nichts außer unberührter Natur. Überall hüpfen kleine Frösche herum. Außerdem gab es richtig viele Bienenstöcke und sehr viele Vögel.

In Karavukovo musste ich mich entscheiden, ob ich hier übernachten wollte oder noch weiterfuhr. Weiterfahren bedeutete, dass es die nächsten 60 km keine Unterkunft gab. Wie ihr an der Kilometerzahl am Anfang des Beitrags entnehmen könnt, bin ich weitergefahren.

Die Schönheit der Landschaft blieb weiter bestehen, auch, nachdem ich das Naturschutzgebiet verlassen habe. 
15 km vor meinem Ziel blockierte dann noch eine kleine Schafherde den Radweg. Ich stieg also vom Rad und näherte mich ihnen. Als ich zu nahe kam, rannten sie nach links in die Wiese hinein und ich hatte wieder freie Bahn.

Am Nachmittag musste ich dann kurzzeitig noch meine Regenkleidung aktivieren und die Packtasche mit der wasserfesten Hülle versehen (als ich fertig war, war auch der Regen wieder fertig mit regnen...).

Nun bin ich wieder in einer Unterkunft an einem kleinen See. Beim Abendessen sah ich den Schwänen und Störchen zu wie sie Nahrung suchten. Die Terrasse des Restaurants reicht bis ans Ufer und direkt vor mir der Sonnenuntergang. Bei mir passiert das selten, aber in diesem Moment spürte ich so etwas wie innere Ruhe. :)

...haha, so viel zu "werde mich kurz halten" - das war wohl nix. :-D


Tag 9 / 03.08.2019

Sombor

Heute Morgen regnete es noch. Laut Wetterbericht sollte der ganze Tag ziemlich unbeständig sein. So beschloss ich beim Frühstück zu fragen,  ob das Zimmer noch für eine Nacht frei ist. 

Leider war das ganze "Guest House" ausgebucht. Der Chef des kleinen Hotels bot mir an mir ein Zimmer in der Nähe zu vermitteln. Er war sehr nett und hatte in 10 Minuten ein kleines Appartement für mich nur 2 Straßen weiter. Zum Frühstück könne ich morgen dann ins Hotel kommen und alles zusammen bezahlen.

Er ging mit mir dann auch noch dorthin und half mir beim Gepäck. Ich bin vollkommen fasziniert von der Freundlichkeit hier.

Das kleine Appartement ist sehr schön und sauber, mit einer kleinen Terrasse mit Wäschespinne - sehr gut. :) Also fing ich am Vormittag gleich an meine Gepäcktaschen neu zu packen. Alle feuchten Gegenstände getrocknet und die Schmutzwäsche gewaschen. Bis Mittag hing alles zum Trocknen draußen und ich hatte etwas Zeit, um die weitere Route zu planen. 

Ich ging auch noch einkaufen, um meinen Proviant für die nächsten Tage noch etwas aufzustocken. Hier packt die Kassiererin noch in Seelenruhe die Taschen mit dem eben gekauften ein. 5 Leute in der Schlange die sich ebenfalls die Ruhe selbst gemütlich unterhalten. Ich fühle mich sehr wohl hier, wenn einem die Lebensmittel nicht in voller Eile nachgeworfen werden, sollte man nicht schnell genug alles wegpackt haben . Ich kam schon lange nicht mehr so entspannt vom Einkaufen zurück. 

Am Abend gönnte ich mir noch eine Pizza (wenn "Hot Pepper" hier auf der Speisekarte steht, meint man auch "Hot Pepper"). Der schweißtreibenste Moment des Tages. :-D

Danach füllte ich meine Packtaschen wieder mit der trockenen und sauberen Ausrüstung. Und jetzt? Schlafen. :)

PS: Die Bilder von Tag 2 & 3 sind nun online.


Tag 8 / 02.08.2019

Baja - Sombor

Heute ging es nach Zusammenpacken des Zeltes, einem Kaffee und dem Einkaufen ab Richtung serbische Grenze. Die Straßen waren fast so gut wie gestern, auch in Serbien.

Am Weg Richtung Mohács (dort muss man sich für die kroatische oder serbische Route entscheiden) hatte ich wieder etwas Gesellschaft und ein kleines Pläuschchen mit einem Franzosen und einem Niederländer, die sich gestern getroffen hatten und nun ein Stück gemeinsam fuhren. Sie sagten, dass ich die erste Frau bin, die sie treffen die alleine unterwegs ist. Unsere Wege trennten sich aber auch bald wieder, da die beiden die kroatische Route weiterfuhren. 

Am Weg nach Mohacs musste ich die erste tierische Attacke überstehen, aber nicht von einem Hund. Nein, von 4 Gänsen die am Straßenrand Patrouille gingen. Ich wechselte im vorhinein schon die Straßenseite, um sie nicht zu verschrecken. Als ich an ihnen vorbeikam, rannten sie auf mich zu und fauchten mit weit aufgerissenen Schnäbeln. Sollte ich je ein Haus zu bewachen haben, kaufe ich mir eine Horde Gänse.

Um ca. 14:00 fuhr ich durch eines der letzten Dörfer vor der Grenze. Dort waren ziemlich viele Soldaten stationiert. Sie sitzen in voller Monteur in kleinen Hölzernen Unterständen, alle paar Hundert Meter 2 von ihnen. Sie grüßten sogar freundlich zurück. An der ungarischen Grenze wartete ich ca. 15 Minuten bis mein Pass kontrolliert wurde und ich weiter zum serbischen Grenzposten fahren konnte. Dort ging es etwas schneller und ich bekam auch meinen ersten Stempel in den Pass :)

Serbien schien mich gleich auf die Probe zu stellen, da die erste Brücke, über die ich musste, gerade neu gebaut wird (fast wie in Linz ;) ). Ein netter Herr, der aus einem Haus gleich daneben raus kam, erklärte mir in recht gutem Englisch, dass die nächste Brücke in 3 km sei und ich diese am Kürzesten über den gleich neben der abgerissenen Brücke abzweigenden Wald-/Wiesenweg erreichte. Dieser Weg stellte sich als ab und zu befahrene Wiese heraus, die mir auf den 3km alle noch übrige Energie abverlangte. Danach machte ich eine kurze Pause, aß etwas und machte mich dann auf um die letzten 15km zur heute gebuchten Unterkunft auf. 

Das Wetter heute spannte mich auf die Folter, da es in der letzten Stunde Fahrt immer wieder mal tröpfelte und ich nie wusste, ob ich meine Regenkleidung gleich jetzt oder später anziehen sollte.

Als ich in der Pension eincheckte, fing es an zu Regnen.

Mein Hintern und ich haben uns heute übrigens wieder versöhnt und freuen uns auf weitere gute Zusammenarbeit (Der Radhose sei dank).

In den nächsten Tagen werde ich am Handy kein Internet haben, da ich hier in Serbien nicht mehr in der Roaming freien EU bin. Sollte ich die nächsten Tage mal kein WLAN am Abend zur Verfügung haben, werden die Einträge natürlich nachgereicht :)


Tag 7 / 01.08.2019

Dunaföldvár - Baja

Heute Nacht hatte es eigentlich keinen Regen gemeldet, deshalb habe ich meine Wäsche zum Trocknen aufgehängt. Leider gab es in der Nacht ein Gewitter und ich wachte erst auf, als es schon in Strömen regnete. 

Das hieß, ich hatte nur noch die eine frische Garnitur an Wäsche die ich im Zelt hatte. Socken musste ich am Morgen die noch nicht ganz trockenen nehmen. Nach diesem etwas schlechten Start in den Tag war es schön, dass das Heimweh heute morgen schon sehr milde im Vergleich zu den letzten Tagen ausfiel.

Ich startete ca. um 9 Uhr als alles zusammengepackt war. Eine halbe Stunde später gönnte ich mir mal einen warmen Frühstückskaffee in Solt. 

Heute waren die Straßen gnädig mit mir und ich schaffte es bis 13:30 Uhr nach Foktő. Die Straßen waren heute wirklich außergewöhnlich gut, man konnte am Asphalt wirklich einen Schnitt von 17-20km/h durchziehen. 

Am Vormittag fuhr ich ca. 1 Stunde mit zwei Niederländern, die am Weg nach Serbien waren. Sie mussten sich Wasser kaufen, also trennten sich unser Wege rasch wieder. 

Nach Foktő kam der einzige schlechtere Abschnitt heute, 12km Sandfahrbahn. Diese war aber auch recht komprimiert und ich kam gut voran. Dann wieder wirklich ebener Asphalt. So schaffte ich heute 90km und war bereits nach knapp 8 Stunden Fahrt am Ziel. 

Landschaftlich war es heute sehr schön, zu meiner Linken lagen meist Dörfer und Felder, ich fuhr auf einem Dammweg und zu meiner Rechten gab es meistens einen Wald, hinter dem sich die Donau versteckte. Ich bin heute auch vier Störchen begegnet die mich mit ihrem Klappern jedes Mal erschreckt haben.

Ach ja - mein Hintern war mit der Gesamtsituation heute doch nicht ganz zufrieden, da die Radhose in der Nacht auch zum Trocknen draußen war, musste ich sie erst trocknen (hatte sie untertags am Gepäckträger außen montiert) und fuhr die 90 km ohne. Jetzt brennt es. :-D Hab die trockene Hose heute schon im Zelt damit morgen "hinterntechnisch" wieder alles in Ordnung ist.

Danke an meinen Freund der die Texte ab heute immer Korrektur liest!


Tag 6 / 31.07.2019

Ráckeve - Dunaföldvár

Heute hatte ich nur 50-60km vor, damit ich am Nachmittag noch etwas Zeit zum Ausruhen und Kohlenhydrate futtern hatte. :) Um ca 15 Uhr kam ich hier an, ging einkaufen und essen und danach auf den Campingplatz. 

Die Landschaft war heute nicht sehr spannend. Ich umfuhr auf einer alternativen Route eine ca. 15km Schotter- / Wiesenpiste, hatte dafür aber eine Landstraße mit sehr viel Verkehr und einer Wespe, die während der Fahrt zwischen Helm und Brille eingeklemmt wurde und mich über der Braue stach. Das konnte ich zum Glück relativ schnell mit Teebaumöl behandeln, und das Brennen ließ nach.

Eine Zeit lang ging es dann noch an Häusern mit Donauzugang vorbei, bis ich am Zielort eintraf.

Der Campingplatz ist heute sehr schön an der Donau. War auch kurz beim Schotterufer und hab sogar ein paar Muscheln gefunden. (Ich hoffe die haben die nicht hier ausgestreut damit Leute wie ich denken, dass es die hier in der Natur gibt. Muss ich  noch googlen ;-) ). 


Tag 5 / 30.07.2019

Szentendre - Ráckeve

Heute früh ging es wieder mit Einpacken und Frühstücken los, dafür brauche ich zur Zeit noch ca. 1,5-2 Stunden. Meist wache ich um ca.6-7 Uhr auf ziehe mich um und fange an das Rad zu beladen und das Zelt abzubauen. Erst wenn alles gepackt ist, gibt's Frühstück. 

Hier mein heutiges Lager inkl. Wäscheleine ;). Da das Zelt so stabil ist, dass es auch ohne Abspannleinen hält, verwende ich sie in Verbindung mit dem Rad als Wäscheleine.

Nach dem Abbau und Frühstück folgt der derzeit allmorgendliche Anruf bei meiner Mutter. Ich sag ihr da meistens wie weit ich fahren will, damit Sie Bescheid weiß, wo ich mich grob herumtreibe.

Leider habe ich tatsächlich etwas Heimweh. Das kenne ich eigentlich gar nicht von mir, auch nicht als Kind. Das hatte ich absolut nicht in meiner Reiseplanung eingeplant. Derzeit versuche ich es während des Einpackens rauszulassen und dann geht's meistens recht schnell weg, sobald ich am Rad sitze. Es wird denke ich jeden Tag besser.

Der erste kaputte Ausrüstungsgegenstand - meine Flip Flops . :( Die hab ich immer zum Duschengehen benutzt. Muss also in den nächsten Tagen nach Neuen ausschau halten.

Am Weg Richtung Budapest - das Verständnis eines ungarisch asphaltierten Radweges. :-D

Ich würde gerne schreiben, dass das die Ausnahme ist, aber es ist eher die Ausnahme eine einigermaßen befahrbare (für das Fahrrad) Straße zu haben. Selbst wenn man auf größere Straßen ausweicht sind die Fahrbahnränder meist auch in kaum besseren Zustand.

Am zweiten Bild seht ihr einen recht guten Radweg durch ein Auengebiet. Wunderschön, solange man nicht stehen bleibt. Dort drin gibt es Horden von Stechmücken, denen man nur fahrend entkommt. Also das Ganze nach dem Foto wieder während der Fahrt genossen.

Der Weg nach Budapest rein war sehr gut beschildert, und so ging es recht zügig voran. Nach einem Kaffee wollte ich jedoch gleich weiterfahren, da das Schiff, mit dem ich nach Hause fahre, einen Tag Aufenthalt hier hat.

Die Fahrt aus Budapest raus war jedoch nicht sehr einfach. Da standen Eurovelo 6 Schilder wo man gar nicht fahren durfte (laut eines Einheimischen).

Als ich dann in Richtung der Vororte kam machte ich eine kurze Pause im Schatten am Boden sitzend. 
Ein Mann blieb stehen und fragte ob ich Zeit hätte etwas zu quatschen. Er erzählte mir glaub ich seine ganze Lebensgeschichte. Scheinbar hatte er PTBS und versuchte gerade wieder auf die Beine zu kommen. Ich sagte ihm grob was ich vorhabe (mit dem Rad ans Schwarze Meer zu fahren), aber nicht wo ich heute genau hinwollte.

Ich fing langsam neben dem Gespräch an meine Taschen wieder zu packen und mich abfahrbereit zu machen. Er fing dann an mir von einer Hundeattacke zu sprechen und das ich aufpassen müsse und und und... Er musste mir unbedingt auf der Karte zeigen, wo er von dem Hund attackiert wurde. Währenddessen hatte ich ihn genau im Auge, er war mir nicht mehr ganz geheuer.

Also, wir verabschiedeten uns und ich fuhr wieder los. Nach ein paar Kilometern blieb ich neben einer Fähre stehen, um in der Karte den richtigen Weg zu erruieren. Mit der Fähre musste ich noch nicht über die Donau, soviel war klar, auch wenn ich hier schon auf die andere Seite wechseln könnte ohne einen großen Umweg zu machen. Plötzlich stand der Typ wieder da (er war vorher eig. Richtung Budapest gefahren), und meinte die Brücke sei gesperrt über die ich wollte... Er schrie dem Mann auf der Fähre, dass ich noch mitfahren möchte... Naja, dann auf die Fähre. Es war mir äußerst unwohl dabei, da der Mann auch mit seinem Rad auf die Fähre kam und dann auch noch meine Überfahrt bezahlte. Nachdem wir von der Fähre gegangen waren, schaute ich, dass ich weg kam. Ich hatte mir auf der Fähre schon einen Weg auf der Karte gesucht und Google Maps zur Sicherheit eingeschaltet, damit ich schnell wegkomme. 

Nach ca. 7-8km musste ich nochmal stehen bleiben, um in die Karte zu schauen und den richtigen Weg zu suchen. Plötzlich kam der Typ wieder daher und wollte mir helfen. Ich sprang aufs Rad und fuhr den Weg, den ich für am wahrscheinlichsten hielt, rein. Ich stieg für 25km nicht mehr vom Rad und sah ihn zum Glück kein weiteres Mal. Er hatte zum Glück kein Wasser mehr als wir uns zum letzten Mal sahen, also nahm ich an, dass er zumindest Wasser besorgen musste, bevor er weiterfahren konnte. Als ich nach 25 km vor dem Campingplatz im wahrsten Sinne des Wortes vom Rad fiel, hatte ich selbst kein Wasser und keine Kraft mehr. Das einzig Gute war, dass ich ihn die letzten 25km nicht mehr gesehen hatte und der Campingplatz, auf dem ich schlief, rundherum eingezäunt war und nur mit Chipkarte betreten werden konnte. 

Außerdem traf ich zwei Radfahrer aus Norddeutschland, mit denen ich etwas plauderte, um mich abzulenken. 

Mein Zelt stand erst nach 20 Uhr, da ich bis 19 Uhr gefahren war. 

Fazit 1: Etwas vorsichtiger bei Menschen sein, die einen ansprechen.
Fazit 2: Ab heute schlafe ich mit dem Taschenmesser neben mir, und während der Fahrt habe ich es griffbereit in der Tasche hinter mir....

Der Tag war schön (Budapest und der Weg dorthin), nahm aber ein etwas gruseliges Ende.


Tag 4 / 29.07.2019

Mužla - Szentendre

Es regnete die ganze Nacht in Strömen. Das Zelt hielt zum Glück dicht. Meine Kleidung war aber aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit trotzdem feucht. 

Während ich meinen Zeltplatz räumte, brachte mir der nette Herr vom Campingplatz einen "Real Italian Coffee", so seine Worte. Also setzte ich mich noch einen Moment in den schönen Garten und trank gemütlich den Kaffee. Dieser zeigte relativ schnell seine Wirkung. Der Mann hatte nicht gelogen, es war echter (starker) italienischer Kaffee  :-D

Ich hatte alle Hände voll zu tun während des Zeltabbaus die Babykatzen aus meinem Zelt zu bringen, nicht das ich "unabsichtlich" eine eingepackt hätte. ;- )

Der Vormittag lief gut und ich erreichte gegen Mittag die ungarische Grenze. In Esztergom, direkt nach der Grenze besorgte ich mir Forint und trank einen Kaffee. Mich beschlich jedoch das Gefühl, dass es sein könnte, dass ich in Hundekot getreten bin (Geruch :-( ). Also stellte ich mich an den Rand eines Gehsteiges und schaute meinen Schuhe an. Nichts. Danach suchte ich das Fahrrad ab, dreckig aber kein Hundekot. Letzter Test war in einen DM zu gehen und zu schauen, ob die Leute die Nase rümpften. Nichts. Dann hab ich beschlossen, dass es hier einfach so riecht, bin weitergefahren und in der nächsten Pause, kein stinkender Geruch mehr :-) 

Es ging also weiter, in Szob mit der Fähre (das Ding war prähistorisch) über die Donau und dann Richtung Nagymaros. In Vác ging es wieder zurück an das südliche Donauufer.

Mein Nachtlager hab ich nun ca. 20km vor Budapest aufgeschlagen.

Der Straßenbelag war heute den ganzen Tag Asphalt, aber wir sollten nicht über den Zustand dieses Asphalts reden... Es fühlt sich an als wäre ich mit einem Straßenrad inklusive 5 Gepäcktaschen "Offroad" gefahren. Man muss ständig auf der Hut sein und ein längerer Blick in die Landschaft wurde meist schnell mit einem Schlagloch bestraft. 

Aber, der Tag war rein Landschaftlich gesehen der Schönste bis jetzt. Der Radweg verlief meist sehr nahe an der Donau, meist in Auengebiet. Es gibt hier entlang der Donau auch sehr viele Sand- / Kiesbänke, auf denen die Menschen entspannen und Sonne tanken.


Tag 3 / 28.07.2019

Číčov - Mužla

Heute Morgen lief es auch noch nicht so optimal für mich. Als ich aufwachte, war ich total verwirrt über einen Traum, denn ich hatte und ehe ich mich versah (ja ich will ehrlich sein, und diese Reise hat genau diesen Zweck) heulte ich wie ein Baby. Ich möchte den Traum nicht näher ausführen, aber er wühlte mich auf und ließ die Tränendämme brechen. 

Beim Frühstück riss ich mich für 15 Minuten zusammen und danach holte ich mein Zeug und packte meinen Drahtesel voll. Ich fuhr noch ca. 1 Stunde heulend durch die Gegend. Seit meiner MS-Diagnose und in leichter Form auch schon davor, passiert mir das öfter, dass ich einfach nur Weine. Aber es ist gut, ich weine und es geht mir wieder besser. So verarbeitet man Gefühle und von diesen habe ich mehr als genug. Es ist zur Zeit als hätte ich ein Baby geboren. Ein Jahr Planung und jetzt bin ich plötzlich unterwegs und mache das, was sich lange nur wie ein Traum angefühlt hat. Das wühlt gewaltig auf.

Nach der ersten Stunde erreichte ich eine Schotter-/Sandpiste, die mich aufgrund der Schwierigkeit (einer der Reifen rutsch weg oder der Hinterreifen dreht durch) sie zu bewältigen soweit ablenkte, dass ich plötzlich wieder Mut fasste und versuchte einfach nur ans Ende dieser Schotterfahrbahn zu gelangen. Es stellte sich heraus, dass dies ca. 18km dauerte. Jedoch war die Freude endlos groß als plötzlich wieder Asphalt in Sichtweite kam.

Den ganzen Nachmittag über flossen die Kilometer (nicht die Tränen) nun dahin ohne Probleme zu machen. Um 18 Uhr fand ich dann auch einen netten Campingplatz (eig. Garten ;) ) in dem ich mein Zelt aufschlug und mich ausruhen konnte. Zwei kleine Babykatzen boten Unterhaltung bis ich mein Zelt aufgrund von Regen wetterfestmachen musste.

Ich muss etwas mehr schlafen, als die letzten zwei Nächte, deshalb werden ich die Fotos erst an einem Regenerationstag oder am Schiff ab 2. September onlinestellen, da das mitunter das Aufwändigste ist.
Verzeiht mir, aber ohne Schlaf werde ich anfangen dauernd zu heulen und das will ich nicht  :ˋ-D (und ihr glaube ich auch nicht, sonst fange ich an nur noch über meinen geistigen Gefühlszustand zu schreiben)

Nun noch kurz zu meiner körperlichen Verfassung, die ja auch nicht ganz unwichtig ist bei diesem Vorhaben. Das einzig gröbere Problem zur Zeit sind meine Hände/Arme, die noch etwas wenig Kraft für solche Strapazen haben. Und meinem Hintern geht das Ganze bis jetzt zum Glück am Arsch vorbei. 


Tag 2 / 27.07.2019

Čunovo - Číčov

Ich würde sagen, an diesem Tag hat es der Radweg das erste Mal geschafft mich mental zu brechen... Der Wind war unbeschreiblich stark und dazu noch von Vorne. Die Kilometer zogen sich endlos lang und man sah meist das Ende der Geraden nicht. Das machte die Sache nicht besser. 

Um kurz vor 18 Uhr musste ich mich dann geschlagen geben und das nach nur 56km. Außerdem erreichte ich dadurch den nächsten Campingplatz nicht und musste mir in einer Pension einen Platz suchen. Diese war sehr neu und schön, nur beim Abendessen gab es einige Probleme bei der Kommunikation, da die Kellnerinnen scheinbar sehr wenig Englisch sprachen.

Am Ende des Tages räumte ich mir noch einen Weg zum Klo frei (die ganzen Packtaschen hatte ich einfach reingeschmissen und war sofort unter die Dusche gehüpft).

Ich schlief nach dem Abendessen ein, samt Tablet am Bauch.


Tag 1 / 26.07.2019

Wien - Čunovo

Heute sind mein Freund und ich in Wien gestartet. Er hat mich zwei Tage vor Abfahrt damit überrascht, dass er  die erst Etappe nach Bratislava mit mir fährt :)

Um ca. 8 Uhr starteten wir am Handelskai in Wien.

Wir schafften es dann auch noch kurz vom Weg abzukommen und landeten in einem FKK-Bereich. Die Leute waren so nett, dass wir gleich noch auf einen Kaffee blieben. Im "Nackerbazldorf" :-D genossen wir also unseren Vormittagskaffee, bevor wir uns wieder Richtung Donauradweg aufmachten. 

Weiter ging es nun durch das OMV-Gelände, der mit Abstand schlechteste Abschnitt des heutigen Tages. Der Radweg verläuft in der Wiese neben der Straße mit einer 15cm breiten Spurrille der Radfahrer.

In Schönau begann dann eine Umleitung, die ca. 10km länger als der reguläre Radweg war. Die Strecke war trotzdem sehr schön und wir kamen durch Mannsdor an der Donau und Orth an der Donau, weiter nach Eckartsau, wo wir beim Schloss eine kurze Pause in den Liegestühlen einlegten. Nach Witzelsdorf trafen wir wieder auf den Radweg.

Nach einer Donauüberquerung (eh über eine Brücke  ;) ) erreichten wir Hainburg. Dort hatten wir die ersten paar Höhenmeter zu absolvieren, die sich aber auf alle Fälle lohnten, da es dort sehr schön ist.

Nun war Bratislava schon in Sicht und wir radelten voller Elan weiter. In Bratislava dann verloren wir den Kampf fast eine Autobahnüberquerung zu finden. Es gab nur eine Stiege und einen Lift der außer Betrieb war. Jedoch sah uns ein Bauarbeiter, der mir half mein vollbepacktes Rad über die Stiegen rauf- und wieder runterzutragen. 

Nachdem wir diese Hürde geschafft hatten wurde der Hunger so groß das wir beim erstbesten Billa einkehrten und unseren Wasser- und Essensvorrat aufstockten. Nun hieß es Abschied nehmen. Mein Freund fuhr wieder zurück nach Wien und ich hatte noch ca. 15km zum nächsten Campingplatz.

Die Strecke war echt schön und vor allem schattiger als der Weg nach Bratislava. Ich erhielt sogar einen Daumen nach oben von einem entgegenkommenden Radfahrer, der scheinbar erstaunt war, dass ich mit der Masse an Gepäck noch fahren konnte :D.

Am Campingplatz angekommen, stellte ich mein Zelt am leeren Platz auf und packte meine Sachen, um Richtung WC & Duschen zu verschwinden, um die 5 Schichten an Sonnencreme abzuwaschen, die an mir klebten.

Danach hatte leider die Küche im nahegelegenen Restaurant schon geschlossen (es war schon fast 21 Uhr). Da es nun schon dunkel wurde, machte ich mir noch schnell einen kalten Porridge, der bei diesen Temperaturen sicher die bessere Variante ist. 

Gerade ist in der Nähe noch ein Gewitter vorbeigezogen und ich hab mein Zelt noch auf Regen und Wind vorbereitet.

Gute Nacht :)


24.07.2019 | Danke :)

Ich möchte in meinem ersten Eintrag "Danke" sagen.

Meinen Eltern und Verwandten, ihr traut mir diese Reise zu und lässt mich für 6 Wochen ziehen. Außerdem habt ihr mir diese tolle Ausrüstung ermöglicht, mit der ich nun endlich losziehen kann.

Meinem Freund, der mir von Anfang an das Gefühl gab, dass diese Reise das Richtige ist, obwohl wir uns dadurch 6 Wochen nicht sehen können.

Meinen Arbeitskollegen von W4, die seit über einem Jahr mein "Geschwafel" über die Reiseplanungen ertragen mussten und mich trotzdem noch ermunterten und bestärkten.

Meiner Therapeutin, dass Sie mich auf meinem Weg begleitet und mir immer wieder neue Blickwinkel zeigt, die mir helfen mein Leben zu meistern.

Dem Team von Sportler, vor allem Herrn Perndorfer, der mich in den letzten Monaten beim Radkauf und den Umbauten am Rad unterstützt hat.